Von Mecklenburg nach Peking: 12.000 km auf dem Fahrrad

Thomas Schröder ist zurzeit mit dem Fahrrad unterwegs. Über 12.000 km will er von Gnoien (Mecklenburg-Vorpommern) nach Bejing innerhalb von sechs Monaten zurücklegen. Ende April startete Schröder seine große Tour und erfüllt sich damit einen Lebenstraum. In einem Interview erklärt er seine Idee und berichtet von seiner Reise.

 

Wie bist du auf die Idee für diese Reise gekommen?

Ich war schon immer sehr abenteuerlustig und wollte einfach mal etwas Größeres in Angriff nehmen. Ich liebe das Radfahren als Fortbewegungsmittel und auch das Reisen in ferne Länder. Ich habe also überlegt, welches Land (Kontinent) möchte ich gerne mal bereisen und da gab es eigentlich nur eins, Asien (China). Und dann fing ich an zu planen.

11046776_654104308067895_2891241660202190020_nWie hast du dich vorbereitet?

Vorbereiten kann man sich auf die 12.000 Kilometer schlecht, aber ich habe versucht, öfter als sonst mit dem Rad zu fahren. So bin ich zum Beispiel den ganzen Winter über bei Schnee und eisigen Temperaturen mit dem Rad gefahren.

Aber auch mal Tagestouren über 200 Kilometer nach Hamburg oder Berlin. Bisher hatte ich auf der Reise keine körperlichen Einschränkungen und ich denke, dass das auf die Vorbereitung zurückzuführen ist.

Wie viele Kilogramm Gepäck hast du dabei und wie viele Kilogramm hast du schon abgenommen?

Insgesamt habe ich ca. 50 bis 55 Kilogramm Gepäck dabei. Das klingt auf Anhieb viel, aber für mich sind das alles Dinge, die ich benötige. Klar kann man hier und da immer etwas an Gewicht einsparen, aber ich komm damit gut zurecht.

Also gestartet bin ich mit ca. 75 kg bei 190 cm Körpergröße und wieviel ich bis jetzt schon abgenommen habe, das kann ich gar nicht so genau sagen, aber man merkt schon, dass man hier und da etwas dünner geworden ist.

Welche Verpflegung ist dein Favorit?

Verpflegung ist eine wichtige Sache. Man muss halt schauen, was man in den einzelnen Ländern bekommt. In der Kasachischen Steppe zum Beispiel habe ich mich größtenteils aus Dosen ernährt. Aber mein absoluter Verpflegungstipp ist getrockneter Fisch. Den gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Süß oder salzig und den bekommt man fast überall zu kaufen.

11222642_657276491084010_2011147775461168643_nWelches war der schönste Moment bisher und warum?

In den bisherigen zwei Monaten habe ich schon so viel gesehen und erlebt, dass man eigentlich jeden Tag als einen schönen Moment bezeichnen kann. Es gibt zwei Momente: Der eine war in Moskau, als ich dort vor dem Kreml/Roter Platz gesessen habe. Das war so ein großes Zwischenziel auf der Reise. Moskau, eine Millionenstadt, 3.000 Kilometer von zu Hause weg und ich als „kleiner“ Mann aus einem 3000 Seelen-Örtchen sitze jetzt hier. Der andere schöne Moment war der, als ich in Kasachstan kurz hinter Aktobe Kamelen begegnet bin. Erst dann realisiert man allmählich, wie weit man schon gekommen ist.

11393173_663836220428037_9209938661099668194_nGab es schon eine brenzlige Situation auf deiner Reise? Wenn ja, was ist passiert?

Ja, eine brenzlige Situation gab es schon. Nicht mit Menschen oder Tieren, sondern mit dem Wetter. Noch in Russland, ein paar Tage vor dem Grenzübertritt nach Kasachstan, wurde ich in den frühen Morgenstunden (3 Uhr) aus dem Schlaf gerissen.

Draußen vor dem Zelt zog ein starkes Gewitter auf. Zuerst hörte man den Donner noch in relativ weiter Entfernung, aber dann kam es immer dichter und die Blitze und der Regen wurden immer heftiger. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Mein Zelt stand ungeschützt an einer Graslandschaft, hinter mir nur ein paar Büsche. Ich dachte mir, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit jetzt vom Blitz getroffen zu werden?

Ich lag nur noch versteinert im Schlafsack und hoffte, dass das Gewitter vorbeizieht. Dann schlug ein gewaltiger Blitz in unmittelbarer Nähe ein und dazu ein ohrenbetäubendes Donnern, so dass ich gedacht habe, das wirst du nicht überleben! Das Ganze dauerte ca. eine Stunde lang und dann zog das Unwetter endlich ab. Für mich eine der schlimmsten Erfahrungen überhaupt.

Sicher hast du schon viele interessante Menschen kennengelernt. Wer war am außergewöhnlichsten und warum?

Eine interessante Begegnung war das Kennenlernen des Weltenbummlers Alexander aus Tambov. Ich begegnete ihm in den späten Abendstunden auf der Straße. Er überholte mich und wartete dann am Straßenrand.

Er ist ebenso ein Radfahrer wie ich, mit der Ausnahme, dass er schon eine Weltreise mit dem Rad hinter sich hat. Er lud mich zu sich nach Tambov in seinem Bikeclub /Fahrradclub ein. Die Begegnung und auch der Erfahrungsaustausch mit ihm war für mich ein Erlebnis.

11707499_676332955845030_5070444703477304964_nWelches Land / Stadt hat dir bisher am besten gefallen und warum?

Kasachstan ist für mich ein Land, von dem ich überhaupt nicht gedacht hätte, dass es so schön und gastfreundlich ist. Diese endlosen Weiten, einfach atemberaubend, aber auch die Menschen sind klasse.

Ich habe vorher noch nie so ein gastfreundliches Land kennengelernt. Die Leute laden einen zum Trinken & Essen ein, man wird zum begehrten Fotoobjekt und wenn man Hilfe braucht, bekommt man die auch.

Als Stadt hat mich Moskau fasziniert. Moskau ist einfach eine Reise wert. Ich habe zuvor keine Stadt kennengelernt, in der es so viele Sehenswürdigkeiten auf einmal zu sehen gibt.

Wie finanzierst du die Reise?

Meine Reise habe ich größtenteils selbst finanziert, aber auch die Familie, Freunde, Bekannte und auch Sponsoren haben mir sehr geholfen. Eine weitere große finanzielle Unterstützung habe ich über ein Crowdfunding-Projekt erhalten.

Auf dieser Plattform habe ich mein Vorhaben vorgestellt und die Leute konnten mich mit einem Betrag „X“ unterstützen. Insgesamt kamen dabei 5.025,- EUR zusammen.

Was vermisst du am unterwegs am meisten?

Ich vermisse eigentlich nichts. Ich kann machen und tun was ich will und genieße das „freie“ Leben. Klar, in gewisser Weise vermisst man die Familie (Freundin, Kind), aber man ist ja nicht für immer weg und spätestens Anfang Oktober bin ich wieder zu Hause.

11062872_665657256912600_4136802731929764552_nAuf welche Ausrüstung könntest du unter gar keinen Umständen verzichten?

Da gibt es zwei Dinge. Was unbedingt jeder Weltenbummler bei sich haben muss, ist ein Taschenmesser. Ich benutze es so häufig, dass ich mir ein Reisen ohne ein Messer gar nicht mehr vorstellen kann.

Die zweite Sache ist zwar nicht überlebenswichtig aber dennoch hat sie einen hohen Stellenwert für mich. Ich erzeuge durch den Fahrraddynamo Energie und diese wandle ich mit dem „E-Werk“ in Strom um. Somit kann ich also regelmäßig in Kontakt mit der Außenwelt treten und alle meine elektronischen Geräte wie Kamera und auch das Navigationsgerät laden. Für alle, die einen Nabendynamo am Rad haben, holt euch ein „E-Werk“.

Was wird dein nächstes Ziel?

Was ich nach dieser Reise mache oder anstrebe, kann ich heute noch nicht vorhersagen. Die Welt ist groß und es gibt noch so viel zu entdecken.

Gab es einen Moment, in dem du kurz davor warst, aufzugeben? 

Nein, den gab es nie, aber in manchen Situationen denkt man schon: Was machst du hier eigentlich?

Wie hoch sind deine täglichen Ausgaben?

Geplant habe ich, 10,- bis max. 15,- EUR am Tag auszugeben und bisher bin ich auch gut damit über die Runden gekommen. In Polen zum Beispiel gab es Tage, wo die Ausgaben weit unter 10 EUR lagen.

Wie beschäftigst du dich, wenn du dein Tagesziel erreicht hast?

Ein geplantes Tagesziel gibt es eigentlich nicht. Ich entscheide spontan, wann und wo ich das Zelt aufschlage. Dann bin ich mit dem Aufbau vom Zelt beschäftigt, schreibe im Anschluss im Tagebuch und esse etwas. Meistens bin ich so müde, dass ich schnell einschlafe.

10405657_658282847650041_121852278020678882_nHörst du Musik beim Fahren? Wenn ja, welcher ist dein absoluter Powersong?

Wenn der Straßenlärm es zulässt, höre ich ab und zu Musik und zwar am liebsten die Songs von Michael Jackson.

Wie ist es für dich, allein zu fahren? Vermisst du eine Begleitung?

Das ist schwierig zu beantworten. Es gibt Vor- und Nachteile. Wenn man alleine unterwegs ist, kann man den Tag so planen wie man es will. Zu zweit sieht das  schon wieder etwas anders aus.

Jeder hat so seine täglichen Rituale und man muss sich denen halt anpassen. Die Chemie muss aber schon stimmen, weil sonst wird die Reise schnell zur Katastrophe.

 Was machst du als erstes, wenn du wieder zu Hause bist?

Auf die Couch legen und einfach Nichts tun!

Wir danken Thomas für das nette Interview und wünschen weiterhin eine gute Reise und vor allem „Kette rechts!“ Wenn ihr wissen wollt, was Thomas gerade so macht und wo er sich aufhält, dann folgt ihm doch einfach auf seine Facebook-Seite: G9toBeijing

1 Kommentar zu “Von Mecklenburg nach Peking: 12.000 km auf dem Fahrrad

  1. So beachtlich diese Leistung auch sein mag, so kann ich dennoch die Antwort auf die Frage „Was vermisst du unterwegs am meisten?“ absolut nicht nachvollziehen.
    Du hast Frau und Kind zu Hause und vermisst sie gerade mal „in gewisser Weise“? Wie egoistisch kann man eigentlich sein?
    Seine Familie ein halbes Jahr im Stich zu lassen, um seinen „Lebenstraum“ zu erfüllen, finde ich verantwortungslos. Es ist sicher auch der Traum deiner Familie „endlich“ ein halbes Jahr alleine zu sein!

    Kein Verständnis!

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