laufen mit frau schmitt

Komm, wir laufen aus – ein Interview mit Heidi Schmitt

Sie ist Läuferin und bloggt darüber. Oder Bloggerin und läuft außerdem. Sowohl privat als auch beruflich schreibt Heidi Schmitt hochwertige und lesenswerte Texte über verschiedenste Themen. In ihrem Blog Laufen mit Frau Schmitt befasst sie sich mit ihrer Leidenschaft und erzählt lustige Geschichten von Volksläufen und den typischen Läuferproblemen, testet Produkte oder plaudert über private (laufsportunabhängige) Erlebnisse.

Heidi Schmitt im Interview

Vor kurzem erschien Frau Schmitts zweites Buch „Komm, wir laufen aus: Neues und Merkwürdiges aus dem Leben einer Läuferin„. Worum es in dem Taschenbuch geht und warum es sich lohnt über den Bildschirmrand hinaus zu schauen, verrät uns Heidi Schmitt im Interview:

1. Sucht Ihr Garmin noch nach einem Satellitensignal?

Mein erstes Modell bestimmt. Wir hatten ein sehr schwieriges Verhältnis. Eine Art „On-Off-Beziehung“. Mein Forerunner 220 fluppt aber ganz gut.

2. Sie schreiben auf Ihrem Blog „Laufen mit Frau Schmitt“ intelligente und witzige Geschichten rund um das Thema Laufen.  Was ist Ihrer Meinung nach so reizvoll am Laufsport?

Danke für das „intelligent“! Das Kuriose am Laufen ist, dass es so ungeheuer einfach ist. Rechter Fuß, linker Fuß – fertig. Aber gerade das scheint die Herausforderung zu sein. Das Schlichte aushalten. Kein Multitasking, kein Equipment-Wettrüsten. Stattdessen: Dinge bemerken, die man so zuvor noch nie bemerkt hat, an sich selbst und an der Umwelt. Allerdings schaffen wir das irgendwie nicht so recht, wir wollen immer alles besonders richtig, aus allem eine Wissenschaft machen. Darum kaufen auch schlunzige Hobbyläufer wie ich Garmin Uhren.

image0013. „Komm, wir laufen aus“ ist eine Offline-Version Ihres Blogs. Warum sollte man das Buch kaufen, wenn man nahezu jede Geschichte kostenlos in Ihrem Blog lesen kann?

Also, zunächst mal ist ein Buch ein Buch und keine Version. Man kann es verschenken, unter wackelnde Tische legen, verheizen, Kaffee drüber schütten und auf Parkbänken vergessen. Machen Sie das mal mit einem Blog! Im Übrigen ist gut 1/3 des Buchs neu entstanden und bislang nicht veröffentlicht. Meinem ersten Buch hat tatsächlich jemand irgendwo eine schlechte Bewertung gegeben, weil er „nicht einsieht“, für etwas Geld zu bezahlen, was es anderswo kostenlos gibt. Er hat sich also entweder darüber beschwert, dass ich ihm 6 Jahre lang etwas geschenkt habe oder darüber, dass es jetzt eine zusätzliche Option gibt, die Texte zu lesen. Ich hatte jedenfalls Mühe, ihm zu folgen.

4. Im Kapitel „Verpflegungsstelle“ Ihres Buches sind die kulinarischen Spezialitäten zu bewundern, welche im Ziel diverser Volksläufe auf Sie gewartet haben. 15 von 16 mal gab es Kuchen und Milchkaffee. Das Foto Nr. 16 zeigt Wurst und Bier (obwohl wir aus verlässlichen Quellen wissen, dass es in Kelkheim-Hornau ebenfalls Kaffee und Kuchen gab).  Warum?

Ich kann (hoffentlich glaubhaft) versichern, dass es sich bei der Wurst um den Nachtisch gehandelt hat. In Hornau essen wir immer erst Kuchen, dann Wurst. Der Kuchen ist früher ausverkauft und die Warteschlange später an der Wurst kürzer. Das ist alles eiskalt kalkuliert.

5. Welche ist Ihre Lieblingsgeschichte im Buch und worum geht es darin?

Es gibt natürlich mehrere und das wechselt auch. „Schlafes Schwester“ mag ich auf jeden Fall sehr. Es handelt von dem leidenschaftlichen Verhältnis des Läufers zu seinem Schlaf. Obwohl es eigentlich ein bisschen rätselhaft ist, wenn man gerne schläft. Schließlich hat man ja währenddessen gar nichts davon. Wer würde schon von sich sagen, er sei Gourmet, nur weil er hinterher satt ist?

IMG_34896. Wie denken Sie über das Thema „Laufen in der Zukunft“? Wird es „sexy“ genug bleiben, um darüber zu bloggen oder einfach durch andere Sportarten ersetzt?   

Eigentlich liebe ich das Schlichte, wie vorhin schon gesagt. Schlichter kann es aber in Zukunft nicht mehr werden, also wird es immer bunter, immer vielfältiger, immer technischer. Es ist eine schöne Aufgabe für einen Blog, das zu begleiten. Mit Begeisterung für neue Ideen oder Erkenntnisse, aber auch kritisch. Am Kern des Laufens lässt sich auch in Zukunft nicht rütteln, dafür ist es zu leicht erlernbar, zu wirkungsvoll und zu universell – über alle Geschwindigkeiten, Gehaltsklassen, Altersstufen und viele Handicaps hinweg. Das ist es, was den Erfolg des Laufens – zu Recht – ausmacht und falls wir irgendwann alle bis unter die Haarwurzeln equipt im Dunkeln einen Fun-Berg-Musik-Ultra-Reflexzonen-Farbbalance-Ü30-Lauf machen, kommen wir vielleicht auch mal wieder zu den Wurzeln und machen gar nix, außer: rechter Fuß, linker Fuß. Und danach Kuchen und Bratwurst. Von mir aus auch vegane Bratwurst.

7. In Ihrem Job texten und bloggen Sie für Unternehmen. In Ihrer Freizeit über Ihre eignen Interessen. Woher nehmen Sie Inspiration und Motivation unentwegt lesenswerte und sympathische Artikel zu schreiben?

Natürlich hoffe ich, dass sie mit letzterem Recht haben. Ich habe das große Glück, vom Schreiben leben zu können. Vielen Schriftstellern und immer mehr Journalisten ist das nicht möglich. Das ist mir sehr bewusst. Außerdem hilft es, wenn man das, was man macht, wirklich gern macht. Ich schreibe bis zum Feierabend und danach schreibe ich eben noch ein bisschen zum Ausgleich.

8. Für Ihr letztes Buch „Jubiläumsbecher in der Busspur. Laufgeschichten aus der Provinz und von anderswo“ haben Sie den „autoren@leipzig Award 2013“ für Self-Publisher in der Kategorie non-fiction erhalten. Wie halten Sie Ihr Ego in Zaum?

Der Preis war ein großer Spaß. Aber so lange Stockholm noch nicht anruft, hat mein Ego noch sehr viel Luft nach oben.

9. Wie sieht Heidi Schmitts freier Tag aus? (Angenommen die Laufschuhe sind für einen Tag verschwunden und das Internet ist auch.)

Ein freier Tag ohne Internet und Laufen – das ist recht exotisch für mich. Aber ich würde mir ein ordentliches Porridge mit allem machen und einen bärigen Kaffee. Ich würde lange mit dem Hund in der Natur unterwegs sein und dann ein bisschen „DUMMY“ oder „Brand eins“ lesen. Und abends würde ich einen netten Menschen treffen und sehr gut essen. So wäre der Tag ziemlich perfekt.

10. Ein typischer Läufersatz, der Ihnen nicht über die Lippen kommt?

„Warum tue ich mir das nur an?“

Wir danken Heidi Schmitt und freuen uns auf viele weitere Geschichten in der Zukunft. Wer Lust bekommen hat, seinen wackelnden Tisch zu beruhigen oder ein wenig in Frau Schmitts Geschichten zu schmökern, findet die beiden Bücher zum Beispiel hier.

1 Kommentar zu “Komm, wir laufen aus – ein Interview mit Heidi Schmitt

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