Marco Tunger und #beatyesterday

„Ich will wieder fit werden“

Es ist seine persönliche Herausforderung, besser zu sein als gestern. Gestern liegt bei ihm schon ein paar Jahrzehnte zurück. Jetzt ist er auf sein Ziel fokussiert, und nur er selbst ist sein Konkurrent. Sein Ziel: Eine Teilnahme an einem Triathlon. Seine Motivation: gestern schlagen. Sein Name: Marco Tunger.

Momentaufnahme: Marco Tunger auf dem Weg, besser als gestern zu sein. Und sich wohler zu fühlen.
Momentaufnahme: Marco Tunger auf dem Weg, besser als gestern zu sein. Und sich wohler zu fühlen.

Wenn Marco Tunger die Einkaufskisten aus dem Auto trug, hatte er schwer daran zu schleppen. Selbst kleine Anstrengungen wurden zur Strapaze. Mit seinem Äußeren war er unzufrieden: Klamotten mussten kaschieren, im Schwimmbad oder am See traf man ihn immer mit T-Shirt an, das Sonnenbaden hatte er gänzlich eingestellt.
Und dabei hatte Marco als Jugendlicher nicht nur mit seiner Figur überhaupt keine Probleme. Sportlich war er aktiv. Als Sechsjähriger begann er mit Skispringen und Langlauf, mit 13 wechselte er zur Leichtathletik, und bei den 800-Meter-Läufern rannte er schnell in die nationale Spitze. Nach abruptem Ende der sportlichen Laufbahn mitten in der Pubertät kam der Sport im Studium zurück in seinen Alltag, viele Halbmarathons und 2006 ein erster Marathon füllten sein Lauftagebuch. Doch dann war für viele Jahre Schluss.

„Es gab genügend Ausreden“

„Ich wollte, eigentlich, irgendwann, wieder Sport machen“, erinnert sich der heute 39-Jährige. Doch immer wieder gab es Gründe, den Zeitpunkt des neuerlichen Beginns zu verschieben. Gründe, die Marco heute als Ausreden bezeichnet. „Natürlich sind Umzüge, Firmengründung, Heirat und Geburt von zwei Kindern ganz ganz wichtige Punkte im Leben“, sagt der Inhaber einer Werbeagentur. „Aber auch wenn durch diese Ereignisse das Zeitkontingent wirklich kleiner war als zuvor – es wäre Zeit dagewesen, etwas zu tun.“ Getan hat er: Nichts. Aber sich erinnert: Ständig. Daran, wie es früher war, als er noch fit gewesen ist. Daran, wie wenig ihm kleine Anstrengungen ausgemacht haben. Daran, wo er sportlich einmal gestanden hat. Und irgendwann wurde aus den Erinnerungen eine Idee, ein Ziel: Da will ich wieder hin.
„Nun bin ich ja keine 25 mehr und weiß, dass es nicht so leicht ist, wieder fit zu werden“, erzählt Marco lachend. Und nimmt sich trotzdem ein großes Ziel vor: „Ich will einen Triathlon absolvieren“. Für viele Außenstehende klingt das nach mittlerem Wahnsinn. Doch wenn man Marco und seine Geschichte kennt, passt das zu ihm. „Ich kann ausschließlich etwas tun, wenn ich auch ein konkretes Ziel habe. Wenn nur schönes Wetter draußen ist, ist das schöne Wetter für mich nicht ausreichend Motivation, etwas für mich zu tun“, bestätigt er.

Der Coach sagte: Das ist ambitioniert.

Vermessung: Marco Tunger absolvierte vor dem Beginn seiner Challenge ein umfangreiches Vorprogramm.
Vermessung: Marco Tunger absolvierte vor dem Beginn seiner Challenge ein umfangreiches Vorprogramm.

Der Triathlon ist etwas Greifbares, Motivierendes, aber auch etwas, für das Marco sehr viel tun muss. „Die Idee kam beim Fernsehen, Ironman in Frankfurt, und ich dachte mir: Das ist es, was mir als Anreiz gefehlt hat.“ Auf die Herausforderung hat er sich dennoch nicht blind eingelassen. Vorab ließ er sich komplett medizinisch durchchecken („Alles ok“), konsultierte einen Personal Trainer („Das ist ambitioniert, aber nicht unschaffbar“) – und sprach mit seiner Frau. „Dann mach halt, sagte sie damals“, erinnert sich Marco. Sie wusste nicht ansatzweise, was das bedeuten wird, vor welchen Herausforderungen die ganze Familie stehen würde.
„Als alles abgecheckt war, ging es ins Training. Jetzt gab es kein Zurück mehr“, sagt Marco.

Größte Herausforderung: Das Organisatorische

So kennen ihn seine Kunden. Neu ist das Sportzeug, das neuerdings auch in seiner Agentur "rumliegt".
So kennen ihn seine Kunden. Neu ist das Sportzeug, das neuerdings auch in seiner Agentur „rumliegt“.

Familie, zwei Kinder, Unternehmen mit zehn Mitarbeitern – und dazu noch Vorbereitungen für einen Triathlon? Ja, sagt Marco, das geht. Das Zeitmanagement sei das A und O und funktioniere grundsätzlich gut. „Ich habe lernen müssen, dass für mich das Organisatorische die größte Herausforderung an dem ganzen Vorhaben ist“, gibt er zu. Zehn bis elf Stunden Training sind es pro Woche, und der individuelle Trainingsplan von seinem Coach Matthias Laar sieht natürlich Steigerungen vor. „Das schlechte Gewissen läuft manchmal mit“, sagt Marco. Und dennoch gelingt es ihm bislang, die Balance zu halten.
Kürzlich erst war seine Familie wieder mächtig stolz, als Marco den Forstenrieder Volkslauf absolvierte. Sein erster Wettkampf seit mehr als zehn Jahren. Das Ergebnis: Zehn Kilometer in knapp 55 Minuten. „Sicherlich keine Spitzenzeit“, lacht der sympathische Agenturinhaber laut, „aber ich wollte wissen, wo ich aktuell stehe“. Das Ziel – unter einer Stunde und dabei ein möglichst gleichbleibendes Tempo laufen – hat er erreicht.

Ein nächstes steht unmittelbar bevor. Vor wenigen Monaten noch zeigte seine Wage 116 Kilogramm an, heute steht sie bei 105. Erste Erfolge, die Marco unheimlich motivieren. Auch motivieren, nicht aufzuhören. „Ich will schon bald in den zweistelligen Gewichtsbereich kommen“, gibt er sich kämpferisch. Aufgeben, sagt der gelernte Journalist, sei nicht seins.

Kraulen statt Brustschwimmen

Trainingsplan: Der Junior begleitet Marco manchmal beim Laufen.
Trainingsplan: Der Junior begleitet Marco manchmal beim Laufen.

Seinen Trainer Matthias Laar bezeichnet Marco als Lebensabschnittsgefährten. Intensiv stimmen sich die beiden regelmäßig ab, analysieren Trainingsdaten, werten aus, besprechen Marcos Verfassung und bereiten die nächsten Schritte vor. „Wir planen alle vier Wochen und schauen, dass wir möglichst alle familiären und beruflichen Dinge mit dem Trainingsplan zusammen bekommen“, erzählt der Bad Tölzer. Insbesondere das Schwimmtraining genießt eine besondere Aufmerksamkeit. „Ich konnte immer nur das Brustschwimmen“, gibt Marco unumwunden zu. Jetzt muss er bei Schwimmcoach Heike Priess Kraulen lernen. „Geht schon“, stöhnt Marco.

Ein erster Test stand ihm schon am 8. Mai bevor. Sein erster, kleiner, Triathlon. 700 Meter Schwimmen, 30 Kilometer mit dem Rad und 7,5 Kilometer Laufen – in Kombination eine Premiere für ihn. „Ich war vorab sehr gespannt, wie die ganzen Abläufe so klappen. Socken anlassen oder nicht, wie komme ich in die richtigen Klamotten, wie läuft das für mich in der Wechselzone ab, wo stelle ich mich am Start idealerweise auf – ich wusste vorher, ich würde dort viele Erfahrungen sammeln“, sagt Marco. Und vielleicht auch Lehrgeld zahlen. Aber das ist kein Problem für ihn: „Mir geht es nicht um das Gewinnen. Ich will wieder fit werden, und das werde ich schaffen“, ist sich der 39-Jährige sicher.
Während Marco seinen Trainingsplan für die nächsten Wochen studiert, zählt der Countdown bis zum ersten „richtigen“ Triathlon erbarmungslos weiter. Bald wird Marco Tunger den ersten Langdistanz-Triathlon seines Lebens absolvieren. Und bis dahin jeden Tag gestern schlagen. Wir begleiten Marco auf diesem Weg und bei seiner ganz persönlichen Herausforderung und werden darüber berichten.

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