Packen für die Wintertour: Wie viel ist (er-) tragbar?

shutterstock_97807217„Breite alles auf dem Bett aus, was Du auf die Reise mitnehmen willst. Dann lasse die Hälfte zu Hause und nimm doppelt so viel Geld mit.“ So lautet ein berühmter Spruch, der einem des Öfteren in die Quere kommt, wenn man sich über verschiedene Strategien zum Gewicht sparen bei Rucksäcken informiert. Doch wie viel Wahres ist dran?

Eines ist klar: das doppelte Geld will niemand so leicht ausgeben, dann schleppt man doch lieber ein paar Kilo mehr den Berg hinauf. Doch wie viele der ursprünglich gedachten Gepäckstücke kann man wirklich getrost zuhause lassen? Und was muss auf eine Skitour ohne Kompromisse mit?

Eine allgemeingültige Faustregel gibt es dabei leider nicht. Denn das (er-)tragbare Gewicht ist besonders von Faktoren wie Trainingszustand des Trägers, Tragedauer und auch Rucksacktyp abhängig. Grundsätzlich gilt für normaltrainierte Wanderer ein Rucksackgewicht von 20% des Körpergewichts als gerade noch bequem. Folglich sollte das Gepäck eines Durchschnitts-80kg-Mannes allerhöchstens 16kg umfassen.

Jetzt kennt aber doch jeder die Gedanken, die einem vor so einer Tour durch den Kopf schwirren: „Was wenn es regnet? Vielleicht schneit es sogar oder scheint doch durchgehend die Sonne? Wenn es blöd läuft, müssen wir vielleicht eine Nacht draußen verbringen, also muss unbedingt noch Schlafsack, Zelt und Isomatte mit…“ Man will für alles gerüstet sein und genau das schlägt beim Rucksackgewicht zu Buche.

Neben der richtigen Kleidung empfehlen wir für eine mehrtägige Skitour folgende Ausrüstungsgegenstände:

  • möglichst leichte und bequeme Skitourenschuhe
  • Tourenski mit Tourenbindung
  • Steigfelle und Harscheisen
  • Ski- / Teleskopstöcke
  • Lawinenschaufel, Lawinensonde, LVS-Gerät
  • Skibrille, Sonnenbrille (100% UV-Schutz) und Sonnenschutzmittel
  • kleines Verbandset
  • Stirn- oder Taschenlampe
  • Thermo-Trinkflasche
  • Biwaksack
  • Karte & Kompass (für den Überblick über das Gelände)
  • GPS-Gerät (für die genaue Navigation auch in sturmigen & nebligen Situationen und in der Nacht), z.B. das Garmin Oregon 600.

Außerdem spielt uns unsere optische Wahrnehmung einen Streich: Denn je größer der Rucksack, desto mehr packen wir automatisch ein. Vielleicht ist dem ein oder anderen das schon mal beim Einkaufswagen in Supermärkten aufgefallen:  Je größer der ist, desto mehr kaufen wir ein. Einfach weil mehr reinpasst und der Inhalt nach weniger aussieht. Deshalb der Tipp: Lieber nach einem kleineren Rucksack greifen, dann entscheidet man sich leichter gegen die Outdoor-Espresso Maschine oder das dritte Paar Handschuhe. Schlicht und einfach aus Platzgründen – der Rücken wird dankbar sein.

Apropos Rücken: Wie packe ich denn die wirklich benötigte Ausrüstung in meinen Rucksack? Gibt es dabei ein System, das mir hilft, mein Päckchen leichter zu tragen? Die klare Antwort: Ja!

shutterstock_75958480Fangen wir beim Rucksackboden an: Um das Tragesystem zu versteifen, sollte das Bodenfach prall gefüllt sein – am besten mit dem Schlafsack und Kleidung, die man nicht ständig benötigt. Wichtig dabei: Nach unten kommt nur leichte Ausrüstung, da der Rucksack sonst nach hinten unten ziehen würde. Die schweren Gegenstände, wie beispielsweise Proviant, Seil und Lawinenschaufel werden am besten nahe am Rücken deponiert, denn der Rucksackschwerpunkt sollte möglichst dicht am Körper liegen. Um die schweren Gegenstände – die nun am Rücken zu einem Turm aufgeschichtet wurden – zu fixieren, packt man leichte, voluminöse Sachen davor, z.B. Kekse oder Ersatzwäsche. Den Abschluss des Hauptfaches bilden Zelt und Wetterschutzkleidung, die so jederzeit griffbereit sind. Kleine Gegenstände dagegen, die man öfter benötigt – also Sonnenbrille, Handy, GPS-Gerät, Geldbeutel – steckt man in die Deckeltasche. Seiten- oder Fronttaschen kann man mit leichten Gegenständen wie Müsliriegel oder Regenausrüstung füllen.

Allgemein wichtig: Möglichst wenig außen am Rucksack befestigen. Klar, bei sperrigen Gegenständen wie der Isomatte ist dies kaum zu vermeiden, jedoch ist jedes außen angebrachte Teil ein zusätzlicher Hindernisfaktor, der leicht an Bäumen hängenbleibt, schnell nass wird und den Rucksack-Schwerpunkt verschlechtert.

Abschließend noch ein paar Tipps:

  • Egal ob Duschgel, Shampoo, Zahnpasta oder Handcreme: Die meisten Drogerieartikel gibt es auch in Reisegrößen. Alternativ füllt man diese selbst in ein kleines Gefäß um – spart Gewicht und Platz!
  • Kleidung nach dem Zwiebelschalenprinzip mitnehmen. So kann man je nach Wind und Wetter die Kleidung variieren, ohne sich gleich komplett umziehen zu müssen.
  • Manchmal herrscht schon bei einem Tagestrip Chaos im Rucksack. Um das vor allem bei längeren Touren zu vermeiden, verpackt man mehrere Gegenstände nach „Themen“ geordnet in Plastikbeutel. Positiver Nebeneffekt: Die Sachen sind gleichzeitig auch gegen Nässe geschützt.
  • Natürlich kann auf der Tour mal was vergessen werden, verloren oder kaputt gehen. Deswegen ist es sinnvoll, für die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände einen Ersatz dabei zu haben. Ist man allerdings in einer Gruppe unterwegs, kann das auch heißen: Einer nimmt ein zweites Paar Handschuh mit, der nächste eine zweite Skibrille, der dritte hat eine Ersatzmütze parat…

 

1 Kommentar zu “Packen für die Wintertour: Wie viel ist (er-) tragbar?

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