shutterstock_178398290

Der Mythos Triathlon – Teil 1: Richtlinien, Begriffe und Tipps

Triathlon Teil 1: Grundlegende Begriffe

Julia Viellehner studiert Gesundheitsmanagement und arbeitet nebenbei in einem Fitnessstudio. Über zehn Jahre betrieb sie Langstreckenlauf auf nationalem Niveau und konnte mehrere deutsche Meistertitel im Straßenlauf sowie Crosslauf gewinnen. Inzwischen ist sie zum Triathlonsport gewechselt und auch in Triathlon Bestenlisten weit vorne zu finden. Für uns erklärt sie in der Serie „Mythos Triathlon“, was es mit dem Mythos auf sich hat, was man dazu benötigt und gibt außerdem wertvolle Tipps für erfolgreiche Wettkämpfe.

Meine erste Teilnahme bei einem Triathlon liegt mittlerweile 7 Jahre zurück – damals erlaubte ich mir als „reine“ Läuferin einen Spaß in der Laufsaisonpause!  Ich wurde auch auf Anhieb zweite Dame – wagte aber nicht im Traum daran zu denken, dass ich einige Jahre später einen Ironman unter 9:30 Stunden absolvieren werde (ehrlich gesagt wusste ich nicht mal genau, wo Hawaii liegt und was es damit auf sich hat).

Mittlerweile absolvierte ich schon viele Triathlonrennen, kann einige gute Erfolge vorweisen und war auch schon auf Hawaii – als Teilnehmer! Dennoch werde ich immer wieder von neuen Facetten des Triathlonsports überrascht und lerne neue Dinge hinzu.

Das Wichtigste vorweg – Triathlon besteht aus drei Disziplinen und die Kunst liegt darin, alle drei Disziplinen möglichst ausgeglichen zu beherrschen. Das heißt: Bei  jedem Split das Beste rausholen, nicht zu viele Körner einzusparen, aber auch nicht zu überzocken! Ach ja, es gibt noch eine vierte Disziplin – das Wechseln. Hierbei kann man/frau viel Zeit verlieren oder gut machen, mehr dazu im zweiten und dritten Teil dieser Serie.

Strecken

Wettbewerb Schwimmen Radfahren Laufen
Sprint- Volkstriathlon 500 m 20 km 5 km
Olympische Distanz 1500 m 40 km 10 km
Mitteldistanz (half-Ironman – 70.3) 1900 m 90 km 21,1 km
Langdistanz (Ironman) 3800 m 180 km 42,195 km

Die Streckenlängen der Sprint-, Mittel- und Langdistanz können jeweils variieren.  Die der olympischen Distanz sind festgelegt (Olympische Spiele) werden aber von den einzelnen Veranstaltern, je nach Infrastruktur (See, Straßen…) abgeändert, so hat z.B. die olympische Distanz in Erding 1,5-46-10 km als Streckenlängen angegeben. Bei einer 70.3 bzw. einer  Ironman-Veranstaltung werden immer die Strecken 1,9-90-21,1 km bzw. 3,8-180-42,195 km absolviert.

Challenge vs. Ironman …

… wer soll das verstehen? Sehr verwirrt war ich, als vor einigen Jahren die Europameisterschaften der Langdistanz in Roth und im selben Monat in Frankfurt ausgetragen wurden. Wie funktioniert das?

Die Challenge-Family wie auch die Ironman-Gesellschaft sind „Marken“, Veranstalter von Mittel- und Langdistanzen und stehen mehr oder minder in Konkurrenz zueinander. Ich absolvierte schon Rennen von beiden „Marken“ und war jedes Mal begeistert. Der legendäre Triathlon auf Hawaii zählt zur Ironman-Serie und stellt die Ironman-Weltmeisterschaft dar.

Neoprenanzug …

… dient bei Triathlon primär als Kälteschutz. Auf Grund der guten Auftriebseigenschaft profitiert aber auch die Schwimmleistung (insbesondere der „schlechteren“ Schwimmer) von einem Anzug.  Dementsprechend gibt das Regelwerk der Deutschen Triathlon Union (DTU) die genaue Verwendung des Neos im Wettkampf vor.

Wassertemperatur
< 14 ° C Kein Schwimmen erlaubt
< 15 ° C Maximal 1500m schwimmen (mit Neo!)
< 16 ° C Maximal 3000m schwimmen (mit Neo!)
> 16 ° C > 3000m schwimmen (mit Neo!)
< 21,9 ° C (19,9 ° C) Neo erlaubt  bis 1500 m
< 22,9 ° C Neo erlaubt bis 3000 m
< 23,9 ° C Neo erlaubt über 3000 m
< 24,5 ° C 70.3 und Ironman-Veranstaltungen Neo erlaubt

Bei widrigen Witterungsbedingungen bzw. bei einer Wassertemperatur unter 16 ° C kann der Veranstalter eine Neoprenanzug-Pflicht aussprechen!

Windschattenfahren …

… spart Kraft und erhöht das Tempo gewaltig 😉 ist allerdings im Triathlon üblicherweise (mit Ausnahme der Elite bis zur olympischen Distanz) verboten und wird bestraft. Dies gilt auch für das seitlich nebeneinander fahren. Es gilt eine Windschattenbox von 10×3 Meter hinter dem Rad jedes Teilnehmers.

Windschattenfahren

Wer überholt, muss dies möglichst schnell (zwischen 15 und 30 Sekunden je nach Distanz) durchführen und der Überholte muss sich seitlich bzw. nach hinten zurückfallen lassen.

Wettkampfrichter begleiten das Rennen auf dem Motorrad und beobachten die Radfahrer sehr genau. Wer gegen die Richtlinien verstößt, bekommt eine Zeitstrafe und muss diese in der nächsten Penalty-Box absitzen. Unter Penalty-Box versteht man im Triathlon ein weißes Zelt am Straßenrand oder im Start-/Zielbereich. Wer wegen eines Verdachtes auf Windschattenfahren eine schwarze Karte bekommt, muss in die Penalty-Box – das reicht von einer Minute auf der Sprint- und Kurzdistanz, bis acht Minuten auf der Langdistanz.
Die schwarze Karte bedeutet also Verdacht auf Windschattenfahren – direktes Windschattenfahren führt zur Disqualifikation. Des Weiteren kann man eine rote oder gelbe Karte für Regelverletzungen beim Radfahren erhalten. Eine rote Karte beispielsweise wegen grob unsportlichen Verhaltens führt sofort zur Disqualifikation. Aber auch eine kleine Sammlung an insgesamt drei gelben (kleinere Regelverstöße) und schwarzen Karten führt zum Ausschluss aus dem Rennen!

Deshalb: immer die Straßenverkehrsordnung einhalten, die Windschattenbox schnell verlassen und stets ein Lächeln auf den Lippen tragen, dann kann euch nichts passieren! Ein Geheimtipp: Unbedingt in die Wettkampfbesprechung vor dem Rennen gehen. Dort wird nämlich mitgeteilt, wo Überholverbot herrscht oder wo man nicht in Aeroposition fahren darf – Verstöße führen nämlich – genau! – zu einer Kartensammlung! 😉

Littering

Littering …

… führt im Triathlon zu einer roten Karte und somit zur sofortigen Disqualifikation. Das bedeutet, man muss die leeren Gel- und Riegelverpackungen wieder mitnehmen bzw. kann sie vor und nach den Verpflegungsstellen abwerfen.

Equipment…

… wird im Triathlon gaaanz groß geschrieben. Dennoch zählt am Schluss die Power in den Beinen und die mentale Stärke und nicht die Höhe der Aerofelgen.

EquipmentFür den Anfang reicht ein Triathlonzwei- oder einteiler, eine Badekappe (welche meist vom Veranstalter ausgegeben wird) und eine Schwimmbrille. Für die zweite Disziplin benötigt man ein Startnummernband, ein (möglichst leichtes) Rad, einen Helm (wird vom Veranstalter geprüft), ggf. Radschuhe und Sonnenbrille. Für die letzte Disziplin reichen Laufschuhe und ggf. eine Laufkappe.

Sinnvoll ist noch eine Triahtlon Uhr (z.B. Garmin Forerunner 310XT oder 910XT) und für kältere Tage (und schlechte Schwimmer, wie ich es einer bin) wäre ein Neoprenanzug hilfreich! 😉

Natürlich ist ein 800 Euro teurer Neoprenanzug hochwertiger als einer für 100 Euro und auch ein 8000 Euro Rad leichter und aerodynamischer als eines für 800 Euro. Ich persönlich bin der Meinung, das Equipment sollte auch der Leistung des Athleten entsprechen. Aerofelgen bieten zwar Vorteile, allerdings erst ab einer gewissen Geschwindigkeit. Ein Aerohelm kann, bei falschem Tragen, sogar eher bremsen.

Ein gewisse Qualität sollte das Equipment schon aufweisen, aber auch der teuerste Neo schwimmt eben nicht von alleine, das teuerste Rad bewegt sich nicht ohne Muskelkraft und die leichtesten Laufschuhe laufen nicht von selbst!

zu Teil 2: Training und Checkliste

2 Kommentare zu “Der Mythos Triathlon – Teil 1: Richtlinien, Begriffe und Tipps

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Bitte gib das Ergebnis der Aufgabe als Zahl ein *