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Sind wirklich immer die Navis schuld?

shutterstock_188232767In regelmäßigen Abständen hört man von Autofahrern, deren Irrfahrt im Graben oder auf Treppen endet. Oder von LKW-Fahrern, die ihr Ziel systematisch einkreisen und am Ende einige hundert Kilometer mehr als geplant auf dem Tacho stehen haben. Schlimmstenfalls geht dabei noch etwas kaputt, seien es Brücken, die für das Gewicht oder Unterführungen, die für die Höhe von Schwerlastern nicht zugelassen sind. Und meist wird dann mit bösem Blick auf das Navi verwiesen – aber ist dieses denn wirklich immer an allem schuld?

Zunächst ein paar kleine Quizfragen: Wie viele Straßenkilometer ändern sich in ganz Deutschland wohl innerhalb von 18 Monaten? Wie viele Straßen werden neu oder umbenannt? Wie viele Wendeverbote neu eingeführt? HERE, ehemals NAVTEQ Maps, hilft uns bei der Beantwortung dieser Frage.

http://mapchanges.navigation.com/index.php?country=de&lang=de
Quelle: http://mapchanges.navigation.com/index.php?country=de&lang=de

Innerhalb der letzten eineinhalb Jahre wurden also ungefähr 65.186 Straßenkilometer, 50.732 Straßennamen und 30.282 Wendeverbote hinzugefügt oder aktualisiert. Spätestens jetzt wird klar, wie wichtig doch die regelmäßige Aktualisierung des Kartenmaterials auf dem Navi ist. Selbst das beste Navigationssystem kann nur auf diejenigen Karten zurückgreifen, welche der Besitzer ihm zur Verfügung stellt. Um den Geldbeutel dabei nicht zu sehr zu strapazieren, gibt es auch Navis mit sogenannten Lifetime-Maps, also lebenslangen Kartenupdates, zu kaufen. Für die Garmin Geräte erkennt man dieses Recht auf vier Updates im Jahr an der Abkürzung LMT hinter dem Gerätenamen, die für Lifetime Maps und Traffic steht.

Ein weiterer Punkt, weshalb viele Lastkraft-Fahrer an den Anweisungen des Navis verzweifeln, ist wohl die Tatsache, dass diese mit PKW- und nicht mit speziellen LKW-Navis unterwegs sind. Dabei gibt es tatsächlich einen Unterschied: Die eigens für Nutzfahrzeuge konzipierten Systeme bieten die Option Fahrzeughöhe, -breite, -gewicht und sogar die Art der Ladung einzugeben. Gleichzeitig sind beim verwendeten Kartenmaterial alle Informationen zu Straßenbreite, Gewichtsbeschränkung und örtlicher Beschränkung hinterlegt. Durch Zusammenführen dieser Informationen errechnet ein LKW-Navi Routen, die erstens für den Schwerverkehr geeignet sind und zweitens verhindern, dass sich Fahrer und Fahrzeug in ausweglosen Situationen wiederfinden.

Garmin_dezl760LMTEin Beispiel dafür ist das Modell „dezl“ von Garmin. Auf einem großen 7 Zoll Bildschirm bekommt der Lenker alle relevanten Informationen, die er zur sicheren Lenkung eines Schwerfahrzeuges braucht. Von speziellen Navigationsanweisungen, über LKW-spezifische POIs und Verkehrsmeldungen bis hin zu Bildern aus der Rückfahrkamera.

Zugegeben – ein Problem gibt es allerdings beim Navi: Sobald der Besitzer das Navigationssystem anschaltet, wird das eigene Gehirn auf Autopilot geschaltet. Dafür gibt es einige Beweise, bei denen der Fahrer sein Gehirn wirklich auf Stand-By geschaltet haben muss. Spiegel Online hat verrückte Navi-Pannen zusammengestellt, die ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte. Meine persönlichen Top 4 der „Navi an, Gehirn aus“-Fälle:

Platz 4: Brandaktuell und immer wieder: Die Rathaustreppe in Luzern. Hier kommt es häufiger zu Zwischenfällen mit Navigationsgeräten, die die Fahrer die Treppe hinunter locken wollen. Im aktuellen Fall ist es der 57-jährigen Touristin aus den USA jedoch lobenswerterweise schon nach 2 Treppenstufen mit dem Mietwagen aufgefallen, dass sie besser stehen bleiben sollte.

Platz 3: Ein Fernfahrer, der eigentlich von Antalya aus nach Gibraltar in Spanien fahren sollte. Nicht einmal, als er mit der Fähre den Ärmelkanal überquerte, dämmerte ihm, dass er statt dem spanischen wohl das nord-englische Gibraltar in seinem Navi angewählt hatte.

Platz 2: Ein Abrissunternehmen, das im US-Staat Georgia ein Haus abreißen sollte. Nachdem das Navi sie an ihren Einsatzort geleitet hat, überprüften die Arbeiter leider nicht mehr die richtige Hausnummer und rissen das Nachbargebäude ab.

Platz 1: Ein Haschisch-Liebhaber, der bereits auf dem Weg nach Hause von seinem Dealer war und somit eigentlich nichts mehr zu befürchten hatte. Er hatte die Rechnung jedoch ohne sein heimtückisches Navi gemacht. Dieses lotste ihn über den St. Claires River – auf der anderen Seite der Brücke beginnt allerdings kanadisches Staatsgebiet. Der Fahrer erkannte seinen Fehler, drehte um und wurde bei seiner Einreise in die USA direkt von amerikanischen Zöllnern gefilzt…

Drogenschmuggeln? Also lieber ohne Navi… Für den Rest der Menschheit gilt aber, dass das System ein treuer Begleiter ist, das uns viele Fahrten einfacher macht. Trotzdem sollte man seinen gesunden Menschenverstand nicht vollständig ausschalten – wenn das Navi mich über die berühmte Luzerner Rathaustreppe lotsen möchte, dann sollte mir schon vor Befahren der Stufen auffallen, dass ich das besser lassen sollte. Ansonsten ist selbst das beste Navi mit dem aktuellsten Kartenmaterial machtlos.

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