Spontaner Staffellauf – Roth 2013

Caprice Giehl(von Caprice Giehl) Vor 5 Wochen wurde ich von einem Bekannten eines Sportkumpels gefragt, ob ich nicht in einer Ironmanstaffel in Roth den Marathon laufen möchte. Die Stimmung auf dem Konzert, wo ich mich gerade während des Telefonats befand, war gut und mit einer Flasche Radler in der Hand sagte ich spontan zu.

Eigentlich hatte ich mir für 2013 keine sportlichen Ziele gesteckt und war froh, nach den erfolgreichen Starts mit Hawaii Quali beim Ironman 2012 in Frankfurt und 2010 in Zürich in diesem Jahr stressfrei und ohne Druck mit Freunden trainieren zu können. An Roth jedoch erinnere ich mich besonders gern zurück, da ich dort 2007 meine erste aufregende Langdistanz mit 24 Jahren absolvierte. Damals meldete ich mich ebenfalls spontan an, als uns im Studium ein freies Lernsemester eingeräumt wurde. Ähäm… Das Studium ist natürlich nicht zu kurz gekommen, aber Triathlon macht einfach mehr Spaß…wie dem auch sei… Die erste Langdistanz in Begleitung von Eltern und Freuden ist etwas Besonderes und der Gedanke an einen erneuten Start in Roth sehr reizvoll.

Training:

An Trainingspläne hab ich mich noch nie gehalten, aber das Training mit meiner Garmin 910 empfinde ich als tolle Unterstützung, um die Trainingsübersicht im Hinblick auf Streckenlänge und Pace zu behalten. Aufgrund meines Jobs mit Anwesenheits- und Rufdiensten im Krankenhaus kann ich momentan maximal 4 Laufeinheiten in der Woche absolvieren. Ich habe in den 5 Wochen 2x 30km, 1x 25 km und 3x 20km als längere Laufeinheiten eingestreut. In zwei 10km Wettkämpfe zeigte sich eine gute Form. Zuletzt war ich im Frühjahr bei einem Halbmarathon eine 1:23h gelaufen. Nicht ganz so optimal waren die beiden 20 km Läufe am Dienstag und Mittwoch vor Roth (14.07.2013) am Sonntag. Mein schlechtes Trainingsgewissen war zuvor noch groß, meine Beine durch die beiden Läufe aber nur noch müder.

In Roth angekommen:

Am Samstagabend traf ich erstmals meine bisher nur aus Telefonaten bekannten Teammitglieder. Kaum war ich von den Gasteltern Erich und Marianne herzlich empfangen worden, ging es auch schon zum gemeinsamen traditionellen Essen nach Hofstetten, ein Nachbarort von Roth – mit ungefähr 30 weiteren Bekannten und Triathlonteilnehmern meines Radfahrers Heiko, der selbst seit 17 Jahren in Roth startet. Nach einem Unfall kann er selbst nur eingeschränktes Lauftraining absolvieren und Zeiten als Einzelstarter von 08:35h wie „früher“ nicht mehr erreichen. Kaum wurden alte und neue Geschichten erzählt, war das Thema über die gewünschte Wettkampfzeit auch schon da. Wie immer vor einem Wettkampf wurde Tacheles geredet, also etwas prahlen und herumdrucksen. Ach, aktuelle Beschwerden und schlechte Wetterlagen zu erwähnen, weshalb das Training nicht so lief, gehört natürlich auch dazu. Beeindruckt war ich von der 4. Disziplin der angereisten Ruhrpottler am Glas, welche an allen Abenden ungeachtet des bevorstehenden Ereignisses erbarmungslos durchgezogen wurde… 🙂

Der Wettkampf – 14.07.2013:

Ich peilte selbst die magische 3 Stundenmarke an und wir rechneten für unser Team Podiumchancen in der Mixed Wertung aus. Am Sonntag war ich beim Schwimmstart nicht dabei und wollte die Füße hochlegen. Von weitem drang jedoch Musik und Stimmengewirrwarr verlockend zu mir durch, sodass ich mich doch um 9:00 in Eckersmühlen an die Strecke stellte und anfeuerte. Was hier los war – die Stimmung war grandios! Aufgekratzt fuhr ich mit einem der zahlreichen, extra für die Triathleten bereitgestellten „Gasträdern“ meiner Gastfamilie, zur Wechselzone in Roth. Hier wartete ich im Schatten bei mittlerweile sonnigen und wolkenlosen  27 Grad- und wurde immer nervöser, viel mehr als bei meinen Einzelstarts bisher, so sehr, dass mir übel wurde. Endlich, Heiko hatte sich um ein paar Minuten verspätet, kam aber nach (für mich immer noch utopischen) 4:34h nach 180km angeradelt. Gut gelaunt übergab er mir den Chip, wie zuvor Dirk an ihn nach 55 min schwimmen. Er feuerte mich noch die ersten Schritte an und los gings um 14:15Uhr.

Ich musste schon bald den schnellen Schnitt reduzieren. Unterschätzt hatte ich die zahlreichen Überholmanöver auf der Strecke, zwischen 20-40 Personen pro km. Alle Einzelstarter liefen 1-1,5 min /km im Schnitt langsamer. Respektvoll wich ich öfter in die Mitte aus oder in die Wiese seitlich des gerade mal 2 m breiten Schotterweges am Kanal, oder wartete auch mal kurz im Gedränge am Versorgungsstand. Mit zunehmender Strecke wurde der Schnitt schlechter und die Beine schwerer, trotz Motivationshilfen der tollen Zuschauer. Im Kopf verabschiedete ich mich von der neuen Bestzeit und versuchte die letzten Kilometer zu genießen. Heiko wartete 500 m vor dem Ziel und wir liefen gemeinsam nach der Runde auf dem langen Teppich nach 3:02h Marathonzeit und 8:35h Gesamtzeit hinein. Mal ein ganz neues Gefühl zu zweit.

Fazit:

Leider hat es nur für den 5. Platz der diesjährig stark besetzten Mixed Teams und insgesamt 8. Platz aller Staffeln gereicht. Aber ich habe trotzdem ein tolles Wochenende erlebt und eine ganz besonders herzliche Seite der familiären Atmosphäre eines außergewöhnlichen und traditionsreichen Wettkampfes kennengelernt. Ich wurde mit einem Leberkäs Frühstück bei einem Glas Weizen am Montagmorgen im Garten belohnt, bei dem jeder willkommen war, der gerade vorbeikam.

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