Schlittenhunderennen auf deutschem (Matsch-) boden

Schlittenhunde in Deutschland(von Volker Ebertshäuser) Auch wenn man es zurzeit nicht für möglich hält, wenn man aus dem Fenster sieht: Selbst in Deutschland gibt es Schlittenhunde, die an großen Rennen im hohen Norden teilnehmen und sich schon Monate vorher darauf vorbereiten müssen. Ob und vor allem wie das mit den deutschen Temperaturen funktioniert, verraten euch Volker und Esther Ebertshäuser, die momentan mit ihren 20 Siberian Huskies mitten in den Vorbereitungen zum Ammundsen Race 2014 in Schweden stecken. Wem das nichts sagt: das Ammundsen Race startet am 22.Februar in Strömsund und ist ein Schlittenhunderennen über circa 320 Kilometer.

Seit etlichen Jahren wohnen wir, Volker und Esther, in Rheinland-Pfalz mit unseren Schlitten- und Haushunden zusammen. Unsere Hunde sind reinrassige Siberian Huskies, die extra dafür gezüchtet wurden eine mäßige Last mit mittlerer Geschwindigkeit über weite Strecken zu transportieren. Siberian Huskies werden mit Ahnentafeln gezüchtet, die der FCI (Internationaler Zuchtverband) unterliegen.

Bei dem Rennen in Schweden kommen aber auch etliche Alaskan Husky Gespanne zum Einsatz – Mischlinge die etwas schneller sind als unsere reinrassigen Huskies. Wir haben uns trotzdem für letztere entschieden, weil wir Ihren ausgeprägten Charakter lieben und sie vom Sozialverhalten sehr umgänglich sind – vorausgesetzt, dass man Sie als Rudelchef ordentlich führt. Langstreckenrennen in Skandinavien bestreiten wir seit 2009, also inzwischen schon fast 5 Jahre lang.

Wie und vor allem wann trainiert man denn jetzt eigentlich mit Schlittenhunden in Deutschland? Wenn die ersten Flocken fallen? Nein: Das Training beginnt bereits im August – vorausgesetzt, die Temperaturen liegen morgens unter 15° C. Trainiert wird mit einem Quad ohne Motor und ca. 350 Kg Gewicht, welches die 16 Hunde des Rennteams ziehen. Das Alter variiert zwischen 2 und 9 Jahren. Da wir uns entschlossen haben alle Hunde bis zu Ihrem Tod bei uns zu behalten, gehören auch noch 4 „Rentner“ mit ins Rudel, die sowohl wichtig für die Rudelstruktur, als auch für die Fitness des „Mushers“ sind, da alle vier mit zum Joggen gehen. Als Musher bezeichnet man übrigens im Allgemeinen die Schlittenhundeführer.

Das GPSmap 62s zeichnet unsere Trainingsdaten aufZum Aufzeichnen der Trainingseinheiten benutzen wir das Garmin GPSmap 62s. Dieses bietet uns alle Möglichkeiten die Entfernung, Durchschnittsgeschwindigkeit, Länge der Pausen sowie Höchstgeschwindigkeit und Höhenmeter zu erfassen. Die Verwendung der Daten vom GPSmap 62s sind deshalb so wichtig, da am Anfang der Saison zunächst der Muskelaufbau steht. Mit dem Quad ist die ungeheure Kraft der 16 Hunde gut zu kontrollieren, da bei Bergabfahrten eine maximale Geschwindigkeit von ca. 18 km/h nicht überschritten werden sollte. Später im Training auf Schnee wird dann mehr Wert auf Geschwindigkeit gelegt und die Trainingsstrecke sukzessive verlängert.

Normalerweise wird mindestens fünfmal in der Woche trainiert. Im Moment sind die Einheiten zwischen 22 und 28 km lang, so dass wir im vergangenen Dezember auf ca. 130-150 km in der Woche kamen. Natürlich ist es nicht immer leicht hier in Deutschland, da das Wetter speziell in diesem Winter sehr viel von den Hunden abverlangt: die aufgeweichten Waldwege sind zwar gut für die Pfoten, aber dadurch wird das Ziehen des Quads enorm erschwert. Außerdem ist die Nässe nicht immer angenehm für Musher und Hunde. Daher – und vor allem wegen der etwas zu warmen Temperaturen – müssen wir oft das tägliche Training auf morgens und abends verlegen, dann halt jeweils nur 15km.

Training auf aufgeweichtem Waldboden

Wie läuft jetzt so eine Trainingseinheit ab? Wir starten oftmals morgens um 4 Uhr, da die Hunde zunächst verladen werden müssen und dann im Trainingsgebiet vor das Quad gespannt werden. Und das alles noch vor dem eigentlichen Job, den man schließlich braucht,  um das Hundefutter und Equipment zu finanzieren. Also ein großer zeitlicher Aufwand – jeder der Langstreckenrennen fährt nimmt diesen aber gerne auf sich.

Nur die wenigsten Musher können sich übrigens als Profi bezeichnen und ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Dies geht überhaupt nur, wenn man im hohen Norden zu Hause ist und dort im Tourismus mit Schlittenhunden arbeitet. Diese Zwinger besitzen natürlich viel mehr Hunde, nicht selten sind 80-120 Vierbeiner dort zu Hause. Somit haben die Musher aus dem Norden natürlich ein riesiges Potential, das Sie zum Rennen einsetzen können. Ganz zu schweigen von den Profi-Kennels in Alaska, bei denen Zwinger mit einer Anzahl von 200-300 Hunden anzutreffen sind.

An den zwei trainingsfreien Tagen in der Woche ist es enorm wichtig an der Motivation der Hunde zu arbeiten. Sehr gerne spielen unsere Hunde mit Bällen und anderen Wurfgegenständen sowie natürlich auch untereinander. Das sind herrliche Momente, wenn vor allem die jungen Hunde im Rudel spielen und nach Herzenslust toben und sich gegenseitig anspringen. Wenn es dann endlich schneit, ist das Gewicht für die Hunde viel leichter zu ziehen und sie können beinahe frei laufen. Dann sind die Etappen mindestens doppelt so lang, um den gleichen Trainingseffekt zu erzielen.

Wir verbringen nun den Anfang des Januars noch in Deutschland und gehen dann nach Schweden um uns vor Ort vorzubereiten. In Schweden verwenden wir dann das GPSmap 62s zur Orientierung und zur Routenplanung. Natürlich hoffen wir auf einen guten Verlauf des Trainings und insbesondere natürlich des Rennens. In Schweden ist man völlig ungebunden, da man zu jeder Zeit fahren und trainieren kann. Diese Momente in der einzigartigen Natur Skandinaviens allein mit den Hunden zu genießen ist paradiesisch – und lässt viele Anstrengungen des täglichen Lebens und den allgemeinen Stress in Deutschland augenblicklich vergessen…

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