Astrid Lindgren trifft Nelson Mandela in der Neubausiedlung

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Ludwig Erhard trifft auf Helmut Kohl, das Paradies kreuzt die Hölle und Schneewittchen liegt direkt neben Rotkäppchen. Und das alles in mehreren Städten gleichzeitig. Unmöglich? Dank der Straßennamen in Deutschland alltäglich – und ständig kommen neue kuriose Begebenheiten dazu. Doch wer denkt sich das eigentlich alles aus? Ist man nicht irgendwann mit den Ideen am Ende? Oder kann ich jetzt selber mal hingehen und für eine Straße meinen eigenen Namen vorschlagen?

Verantwortlich dafür ist meist eine Abteilung des Vermessungsamtes in der Stadtverwaltung. Die hat die schwierige Aufgabe, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Dabei gibt es einige Grundsätze zu beachten, beispielsweise soll die Benennung der Straße auch gleich verdeutlichen, um welche Bauart es sich dabei handelt: Ist es ein Weg, eine Gasse, eine Allee oder vielleicht direkt am Ufer?

Dass wir nicht in einer „Deppenallee“ oder „Idiotengasse“ wohnen, verdanken wir dem Grundsatz der sozialen Verträglichkeit, wonach kein Anwohner beleidigt oder verunglimpft werden darf. Bei größeren Straßen, die aus der Stadt herausführen, gibt es auch den Grundsatz der Richtungsweisung. So kann man sich sicher sein, wenn man nur lang genug der „Münchner Straße“ folgt, wird man auch schlussendlich in der oberbayerischen Hauptstadt ankommen. Vielleicht ist dem ein oder anderen schon mal aufgefallen, dass sich viele Straßen in einem Viertel thematisch ähneln? Das sind die Auswirkungen des Raumgliederungs-Grundsatzes. Besonders beliebt sind dabei Natur (Lindenstraße, Tulpengasse, Finkenweg), Dichter (Goetheplatz, Schillerstraße) oder auch Komponisten (Beethovenstraße, Mozartstraße). Je berühmter und verdienter der Namensgeber dabei ist, desto bedeutender auch die Straße, die nach ihm benannt wird – der Grundsatz der Gleichwertigkeit. Ein Namenswechsel ist übrigens nicht so einfach möglich – höchstens wenn es durch Eingemeindung plötzlich zwei Dorfstraßen mit derselben Postleitzahl gibt.

"Quadratestadt" Mannheim
„Quadratestadt“ Mannheim

Wenn man jetzt an die eigene Stadt und umliegende Dörfer denkt – welche Bezeichnung tritt in Deutschland vermutlich am häufigsten auf? An erster Stelle steht natürlich die Hauptstraße, da werden euch wahrscheinlich auch mehrere auf Anhieb einfallen. Dicht gefolgt von der Dorfstraße, Schulstraße, Gartenstraße und Bahnhofsstraße, die auch in jedem dritten Ort zu finden sind.

Eine ganz besondere Ausnahme bildet die „Quadratestadt“ Mannheim. Wie der Spitzname schon andeutet, ist der Stadtkern in durchnummerierte Quadrate eingeteilt, die den Straßennamen ersetzen. So komisch es aussieht – beispielsweise „S4 17“ ist in Mannheim eine ganz normale Adresse, inklusive Hausnummer.

Eine weitere Kuriosität ist nichts für schwache Nerven. Zumindest nicht, wenn man unter „Hippopotomonstrosesquippedaliophobie“ leidet – das ist bezeichnenderweise die Angst vor langen Wörtern. In diesem Fall sollte man tunlichst nicht nach Dingolfing ziehen. Genauer: nicht in die Bischöflich-Geistlicher-Rat-Josef-Zinnbauer-Straße. Denn das ist aktuell der längste Straßenname in Deutschland.

Straßenschild: Bischöflich-Geistlicher-Rat-Josef-Zinnbauer-Straße
Aber ganz egal, wie lang oder kompliziert ein Straßenname ist: Heutzutage ist es gar kein Problem sich selbst in einer fremden Stadt zurechtzufinden. Wo man früher noch mühsam Stadtpläne entziffern musste und an Einbahnstraßen und Sackgassen scheiterte, reicht nun bereits einmal den Straßennamen eintippen – und das Navi lotst zielsicher zur gewünschten Adresse.

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