Duathlon Langdistanz mit Happy End

Glückliche Vizeweltmeisterin Julia Viellehner (links)(von Julia Viellehner) Am Anfang des Jahres formulierte ich das Ziel „Teilnahme bei der Duathlon WM Langdistanz in Zofingen“ mit dem Zusatz „eine Idee / ein Traum!“. Da ich gerne meine Träume lebe, stand ich gestern pünktlich um 8:00 morgens an der Startlinie in Zofingen.
Die Vorbereitung auf die Langdistanz verlief gut. Im Verlauf der Saison gelang es mir, meine Radperformance zu verbessern und gleichzeitig meine Laufleistung hoch zu halten. Dennoch hatte ich gehörigen Respekt vor den hügeligen Teilstrecken über 10 km  – 150 km – 30 km.
Die Anreise in die Schweiz erfolgte schon am Freitag und irgendwie gelang es meinem Trainer und Freund Tom Stecher, mir die Nervosität zu nehmen, so dass ich am Sonntag relativ gelassen und voller Zuversicht bzw. Vertrauen in mein Können am Start stand. Unabhängig von meinen Mitstreiterinnen wollte ich mein Rennen in meinem Tempo absolvieren und möglichst gut durch das Rennen kommen. Fokussiert und couragiert ging ich die ersten 10 km (2 Runden à 5 km, beginnend mit 2 km bergauf!!! über 100 Hm) an. Eine Schweizerin und eine Französin gingen mein Tempo mit und so kamen wir nach 35:33 (für 9,5 km) wieder in der Eventarena an.
Dank eines schnellen Wechsels ging ich als erste Dame auf die Radstrecke (3×50 km á 500 Hm). Doch schon nach 20 km, kurz vorm ersten Berg, holte mich eine Gruppe Damen ein und zog, nach dem hügeligen Part, an mir vorbei. So war das eigentlich nicht geplant, aus vergangen Rennen wusste ich, wie ich meine Radperformance im Vergleich zu meinen Mitstreiterinnen einzuordnen hatte und nun… zogen sie vorbei und ich konnte nicht mitgehen. Erste Zweifel traten auf und etwas resigniert beschloss ich, „mein Ding“ zu machen und abzuwarten, bekanntlich (lt. Dieter Baumann) wird die Ente hinten fett. Und siehe da, 50 km weiter konnte ich schon wieder die ersten Damen einholen und überholen. Schlussendlich kam ich nach 4:39 Std. als 7te Frau wieder in der Eventarena an.
Schon vor dem Rennen machte sich ein leichtes Ziehen in meiner linken Oberschenkelrückseite bemerkbar. Während des 10km Laufes hielt sich der Schmerz in Grenzen und auf dem Rad war er vergessen. Doch die ersten Schritte zu Fuß holten mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Zum ersten Mal in meiner Tri-/Duathlonkarriere wurde ich beim Laufen (aus der Wechselzone raus) überholt. Ich wackelte mehr von Bein auf Bein, doch mit jedem Meter glich mein Laufgefühl wieder dem eines Läufers und nicht dem eines verzweifelten Radlers. Nun hieß es 30 km auf einer 7,5 km langen Wendestrecke mit einigen (vielen, sehr vielen) Höhenmetern und kaum einem flachen Stück, zu absolvieren. Nach den ersten 3 km wurde es das erste mal flach und meine Mutter gab mir den Rückstand zur Läuferin vor mir und zur zweiten Dame (knappe 5 Minuten) durch. Die führende Frau, Eva Nyström, erradelte sich einen Vorsprung von 17 Minuten! Nach der ersten Runde, sprich 15 km, lag ich auf Position vier. Klar, der Körper wurde müde, aber es lief noch ganz gut und als ich den 3km langen Berg wieder oben war, war ich zweite!
Nun wurde es aber zäh, sehr zäh. Bei der Verpflegungsstation bei km 20 verpasste ich das dringend nötige Gel. Jeder Höhenmeter auf dem welligen Kurs wurde zur Qual, meine Hände begannen zu kribbeln und der Kopf wurde immer müder. 7 km vor Schluss war ich nur noch im 5er Schnitt unterwegs, ständig mit der Angst im Nacken, dass mich gleich eine Dame von hinten überholen würde. Dank der zahlreichen Zuschauer, der Motivationszurufe von Tom und meiner Mutter sowie meiner mentalen Stärke kämpfte ich mich aber weiter. Doch 4 km vor Schluss, beim letzten steilen Anstieg, ging einfach gar nichts mehr und ich ging ein paar Meter. Dann meldete sich aber mein innerer Kampfgeist wieder: „Gehen? Bei einer WM? Ich? Als Läuferin?“ Und schon lief ich wieder. Die Kraft war alle, der Oberschenkel zog gut und die Waden krampften – aber wie ich schon immer behaupte, 50% der Leistung ist Kopfsache – und so kam ich nach 7:24 als Vizeweltmeisterin (mit 2:28 Min. Vorsprung) in der Eventarena an. Ok, Kraft für eine große Jubelaktion hatte ich nicht mehr und so richtig konnte ich auch noch gar nicht fassen, was ich gerade geleistet hatte, primär war ich glücklich, angekommen zu sein bzw. durchgehalten zu haben.
Auch heute hab ich wohl noch nicht so ganz realisiert, dass ich nun Vizeweltmeisterin über die Duathlon Langdistanz bin. Es war ein sehr hartes, aber auch sehr schönes Rennen, mit vielen Höhen und Tiefen und einem wahren Happy End. Noch gleicht mein Gangbild eher dem eines 80-Jährigen, aber die „Arbeit“ für 2013 ist auch getan. Nun heißt es Erholen / Regenerieren / Ausruhen / Beine hochlegen und wieder Kräfte sammeln für das Belohnungsevent „Hawaii“ das bestimmt auch kein Spaziergang wird, aber sicherlich ein super Erlebnis.

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