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Fahrradfahren. Ein Wintermärchen

Fällt der erste Schnee, fallen auch ganz unerwartet Zugfahrten aus und eine Lawine des Chaos überrollt deutsche Autobahnen. Wie jedes Jahr, hat niemand mit einem Wintereinbruch gerechnet und entsprechende Vorkehrungen gemieden. Dabei sollte man doch spätestens seit Erstausstrahlung der Erfolgsserie Game of Thrones wissen: „Brace yourselves, winter is coming”. Auch Radfahrer fürchten mit dem Eintreffen des weißen Wahnsinns um ihr Training oder die Fahrt zur Arbeit. Doch muss man wegen ein paar Flocken das Fahrrad in den Keller verbannen und den Edge gegen Zimtsterne tauschen? Wir haben einige Tipps und Alternativen gesammelt, um sich gebührend gegen den Winter zu wappnen.

shutterstock_89873407Bekleidung

Der Schweinehund hat es sich vor dem Kamin gemütlich gemacht? Sehr gut, dann kann man sich ohne schlechtes Gewissen auf den Sattel schwingen. Einen kühlen Kopf zu bewahren ist in der Regel die richtige Entscheidung, auskühlen sollte er allerdings nicht. Spezielle Helmmützen für den Winter halten warm, sind windabweisend und schützen auch die Ohren. Auch wenn das Fahrrad beinbetrieben ist, sind warme Hände wichtig für die Fähigkeit auf der Fahrbahn zu lenken oder reaktionsschnell zu bremsen. Deshalb sollten wasser- und windabweisende Thermohandschuhe zur Winterausstattung gehören. Lediglich zu dick sollten sie nicht sein, damit Bremsen und Schaltung noch bedient werden können. Für Hals und Gesicht bieten sich Multitubes, also atmungsaktive Schlauchtücher an. Sie können je nach Witterung als Halstuch, Maske oder Kappe getragen werden. Für warme Füße sorgen gefütterte Winterradschuhe oder –Überschuhe oder wieder aufladbare Heizsohlen. Wem es nicht auf den perfekten Roadstyle ankommt, kann einfach alte Wollsocken über die Schuhe ziehen.

shutterstock_82248124Bei der restlichen Kleidung gilt die goldene Zwiebelregel. Viele dünne Schichten dämmen die Wärme und lassen sich bei bedarf entfernen oder erweitern. Lange, atmungsaktive (Rad-)Unterwäsche und wasserabweisende Socken bilden die erste Schicht. Bei besonders kalten Tagen empfiehlt sich Merinowolle. Sie ist dünner als normale Wolle, atmungsaktiv, antibakteriell und wärmt auch im nassen Zustand. Darüber kommen ein Langarmtrikot und eine Softshell-Jacke für Windschutz und Kälteisolation. Durch sportlichen Schnitt und flexibles Material ist eine hohe Bewegungsfreiheit gewährleistet. Der Schweiß des Körpers wird von der Kleidung aufgenommen und nach Außen abtransportiert, so bleibt der Körper trocken. Zusätzlich können Arm- und Beinlinge getragen werden, um zusätzliche Wärme zu erzeugen und das Auskühlen der Gelenke zu vermeiden. Wird die Temperatur zu hoch, können diese schnell wieder ausgezogen werden. Wer mit Omas Strickpullover und einer dicken Daunenjacke fährt friert zwar auch nicht, wird aber nach ein paar Minuten vom Schweiß durchnässt sein. Das ist weder für einen selbst, noch für die Kollegen im Büro angenehm.

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Wird man bei einer Wintertour von wärmenden Sonnenstrahlen überrascht, freut man sich zunächst darüber, den Zwiebeltipp beherzigt zu haben.  Für mehr Sicherheit bei glatter Fahrbahn können breite MTB-Pedale montiert werden. Im Falle eines Sturzes können die Füße schnell zum Abstützen oder Ausbalancieren genutzt werden. Durch Kälte und Nässe werden die beweglichen Teile des Fahrrades wesentlich stärker belastet, als bei warmen Temperaturen. Deshalb sollte vor allem die Kette regelmäßig von grobem Schmutz befreit und geschmiert werden. Streusalz greift den Lack an und kann schnell zur Korrosion führen. Deshalb ist es empfehlenswert, den Rahmen im Winter regelmäßig zu reinigen und mit einem Tuch abzutrocknen. Andere bewegliche Teile wie die Pedalgewinde oder die Sattelstütze sollten gefettet werden, damit keine Feuchtigkeit eindringen kann. Bremsbeläge sollten vor dem Winter ausgetauscht werden, denn gerade im Winter sind zuverlässige Bremsen absolut notwendig.  Auch bei der Wahl des Reifens haben Rennradfahrer keine großen Alternativen. Wenn es der Rahmen zulässt, können 28 mm breite Ganzjahresreifen gefahren werden. Diese können mit wenig Luftdruck gefahren werden und bieten auch bei nassem Untergrund ausreichend Grip. Herkömmliche, maximal 23mm breite Rennradreifen müssen ohne echtes Profil oder gar Spikes auskommen.

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Je besser die Beleuchtung, desto höher die Sicherheit

Ausrüstung

Wer einen kleinen Rucksack mitführt, kann überflüssige Kleidung verstauen und trotzdem angemessen sein Rennrad bewegen. Dort sollte man auch seine warm eingepackte Trinkflasche aufbewahren. Nach einer Stunde fahrt mit Flasche am Rahmen, hat man möglicherweise nur noch leckeres Wassereis. Man muss kein Dresden-Fan sein, aber Licht am Fahrrad ist in der dunklen Jahreszeit Pflicht. Auch Autofahrer haben mit widrigen Straßenverhältnissen, eingeschränkter Sicht und schlechter Weihnachtsmusik im Radio zu kämpfen. Ist ein Fahrradfahrer schlecht zu erkennen, können sie möglicherweise nicht schnell genug reagieren oder ihr Fahrzeug auf vereisten Straßen nicht ausreichend kontrollieren. Lässt die Beschaffenheit der Straßen die Fortbewegung auf zwei Rädern nicht zu, müssen Alternativen her.

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Rena Schild / Shutterstock.com

Alternativen

Cyclocrossräder bieten einen Kompromiss zwischen Mountainbike und Rennrad. Die breiteren und grob profilierten Reifen sind für leichtes Gelände, Matsch oder eben verschneite Straßen einsetzbar, lassen sich jedoch auch auf trockenen Straßen angenehm schnell fahren. Im Bereich der Laufräder verfügen die Räder über viel Platz und erlauben damit das Verbauen von Schutzblechen und Spikereifen mit tiefem Profil und kleinen Stahlnägeln. Diese Reifen erlauben es, auch auf vollkommen vereisten Straßen zu fahren. Um auf eisfreien Strecken zu fahren, kann der Luftdruck erhöht und damit die Auflagefläche verringert werden. So werden die Spikes geschont und die Trainingsgeschwindigkeit nicht zu stark beeinträchtigt.

radtrainershutterstock_134345903Ist Väterchen Frost unbarmherzig und ein Radtraining draußen nicht möglich, gibt es trotzdem Methoden, sich auf die neue Saison vorzubereiten. Beispielsweise verfügen die meisten Fitnessstudios über Indoorcycling Räder und bieten sogar spezielle Trainingskurse für Anfänger bis Profis an. Wer keine Lust auf monatliche Beitragszahlungen für das Fahren auf der Stelle hat, kann sich einen Rollentrainer für das eigene Wohnzimmer zulegen. Wattmess-Pedalsysteme und Pulsmessung funktionieren dort ebenfalls. So kann man trainieren und gleichzeitig alle Staffeln seiner Lieblingsserie oder das Best of der Tour de France am heimischen Fernseher schauen. Trotz allem wird das Training auf der Rolle schnell monoton und die starre Haltung auf dem Rad ist ebenfalls nicht sehr produktiv. Um nicht auf Bewegung an frischer Luft verzichten zu müssen, kann man sich an alternativen Sportarten, wie dem Laufen oder Schnee schippen vor der Einfahrt probieren.

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