Birger Bösel fährt 800 Kilometer mit dem Rad zum Zugspitz Ultratrail.

Von einem der losradelte, den Zugspitz Ultratrail zu laufen

Mitte Juni werden mehr als 2.000 Läufer zum Zugspitz-Ultratrail an den Start gehen. Ein spektakuläres und aufregendes Event in einer ebenso aufregenden wie beeindruckenden Gegend. Am Start wird dann auch der IT-Spezialist und passionierte Läufer Birger Bösel aus Schwerin, der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, stehen – der mit dem Rad nach Grainau anreist.

Klick, klack, klick, klack – das Geräusch läßt einen älteren Herren in einem kleinen Cafe im Herzen Schwerins an diesem Morgen aufhorchen. Sein erwartungsvoller Blick wechselt aber schnell in einen enttäuschten Gesichtsausdruck. Denn statt einer Dame steht Birger Bösel im Café. Und der trägt nicht etwa Pumps, sondern seine Klickpedal-Radschuhe. Die 15 Kilometer von seinem Haus vor den Toren der Landeshauptstadt ist er heute mit dem Rad gefahren. „Unser Termin hat meine Planung etwas durcheinander gewirbelt“, begrüßt er mich lachend. Denn sonst wäre er ins Büro gelaufen. #Runtowork nennt er den Teil seines Laufpensums, den er zwischen Haus und Büro fast täglich zurücklegt. Seit Jahren.

Neue Herausforderung: Trail- und Ultraläufe

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Birgers Radroute von Schwerin zum Ultratrail. (Screen: OpenStreetmap)

Laufen ist eine Passion des Schweriners, der in einem mittelständischen Unternehmen für IT- und Internetdienstleistungen die Fäden in der Hand hält. Etliche Marathons hat er in der Vergangenheit absolviert, 2004 den ersten. Zehn Jahre später knackt er in Berlin sein großes Ziel: „Bevor ich 40 werde wollte ich den Marathon unter drei Stunden laufen“. Gesagt, geplant – geschafft. Seit dem ist das Thema Marathon „durch“, wie er selbst sagt. „Der Reiz war danach nicht mehr so stark, nochmal eine neue persönliche Bestleistung beim Marathon zu machen. Ich brauchte neue Herausforderungen“, erzählt er. Die fand er in Trail- und Ultraläufen. „Das Training sonst für die 42 Kilometer war immer viel Asphalt. Jetzt geht es über Wiesen und Felder – das ist schon etwas ganz anderes. Da kommt man in den Flow, das ist schon manchmal wie ein kurzer Urlaub“, sagt Birger schmunzelnd.

Der Zugspitz Ultratrail ist ihm natürlich ein Begriff, seit Jahren. Und eigentlich war es mehr Zufall als Absicht, dass er in diesem Jahr den spektakulären Lauf mitlaufen wird. „Ich wollte wieder eine Radtour machen, hatte ein Zeitbudget von einer Woche dafür veranschlagt und wollte von meinem Wohnort bis an den höchsten Punkt Deutschlands fahren und hochgehen“, berichtet er. Pläne und Touren wie diese sind keine Seltenheit bei Birger Bösel. Und noch seltener ist, das einmal Geplantes nicht auch umgesetzt wird.
Zufällig stellte er bei seinen Planungen und Vorbereitungen für die Radtour fest, dass der Ultratrail genau in sein vorgesehenes Zeitfenster passt. Und die Entscheidung war gefallen. „Einziger Wermutstropfen dabei ist, dass ich nicht auf die Zugspitze kommen werde“, scherzt Birger. Denn der Lauf führt zwar durch das Wettersteingebirge, aber eben nicht auf die Zugspitze.

Respekt vor dem Lauf – und den Höhenmetern

Etwa 800 Kilometer sind es aus dem Norden bis nach Grainau, dem Startpunkt der Ultraläufer am 18. Juni. Mit etwas mehr rechnet Birger, der sich am 12. Juni auf sein Rennrad schwingen und Richtung Süden fahren wird. Am Tag vor seiner Abfahrt wird er noch im mecklenburgischen Güstrow bei einem 20-Kilometer-Lauf an den Start gehen. „Ich plane damit, dass ich am Donnerstag Abend in Grainau ankomme, mich am Freitag ein wenig erholen kann und dann am Sonnabend an den Start gehe“, sagt er – und die Vorfreude ist ihm spürbar anzumerken. Welche Distanz er in Grainau läuft wird, ist noch nicht entschieden. „Vernünftig wären wohl die 60 Kilometer, aber die 100 reizen mich natürlich“. Erst vor Ort wird, dank eines flexiblen Startpasses, die Entscheidung für Supertrail oder Ultratrail fallen. „Ich habe großen Respekt vor dem Lauf, vor allem, weil es nicht nur 5.500 Höhenmeter zu meistern gilt, sondern weil es auch viele unbekannte Faktoren gibt, aber genau das macht den Reiz für mich dabei aus“, so der erfahrene Läufer. Untertagemarathon, Rennsteiglauf, Müritzlauf, Marathons in Hamburg, Frankfurt, Stockholm, Ückermünde, Berlin und auf dem Brocken – die Liste seiner bereits absolvierten Läufe und das strukturierte Training sprechen für den IT-Fachmann.

Sein Ziel für den Zugspitz Ultratrail kann er mit einem Wort beschreiben: „Durchkommen. Denn wirklich einschätzen kann ich das nicht, aber irgendwas zwischen 16 und 20 Stunden wäre schon ziemlich cool.“ Und wenn es doch länger wird? Kein Problem, sagt der Familienvater, ich werde ohnehin die Abwechslung, den Spaß und den Lauf genießen. Und vor einem flachen 100-Kilometer-Lauf auf Asphalt hätte er deutlich mehr „Angst“, als vor dem anstehenden Trail.
Stichwort Familienvater: Was denkt seine Familie über das Abenteuer? „Die kennt das schon“, sagt Birger lachend. So manches Mal verlängerte er auch den #runfromwork, das Gegenstück zum morgendlichen Bürolauf, aus Spaß und Lust am Laufen um etliche Kilometer. Oder kommt bei abendlichen Läufen, nachdem die Kinder ins Bett gebracht sind, deutlich später als die avisierten und ohnehin schon ausgedehnten zwei Stunden nach Hause. Dann kommt er in den Flow. Um die 100 Kilometer pro Woche stehen im Schnitt seit Monaten in seinem Trainingstagebuch. Aber die Familie steht hinter ihm und wird ihm für die Radtour und den Trail die Daumen drücken. Und ist auch ein bisschen froh, dass Birger sich vor der gemeinsamen Familien-Radreise im August schon einmal ausgepowert hat.

2 Kommentare zu “Von einem der losradelte, den Zugspitz Ultratrail zu laufen

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