Das Nordkapp-Projekt: Nichts als Steine bei „Nothing but stones“

Das Ziel ist nah: Der Cache „Nothing but stones“ genießt in der Geocaching-Community einen besonderen Ruf. Vor allem deshalb, weil der Cache nur mit einer beschwerlichen, mehrtägigen Wanderung zu erreichen ist. Ein echtes Abenteuer.

Markus Gründel und Nicole Wunram sind mit ihrem „Wohnmobil“, einem Twingo, unterwegs zum Nordkap. Bei gps.de schreiben sie über ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Abenteuer, die sie auf der Tour erleben. Die bisherigen Berichte ihrer Reise: Mit dem Twingo nach ganz obenDas Abenteuer beginnt,Wieder im SpielCaches, Touristen und CachewartungTraumhafte Landschaft der Lofoten, Goldene Klohäuschen, Wale und Rentiere.

Samstag, 29.07.2017

Es ist Sonnabend – und wir haben uns wetterbedingt gegen die Wanderung zum wahren Nordkapp entschieden. Doch als Ausgleich besuchten wir am Abend ein kleines Event. Der Name: Mittelhessen meets Nordkapp. Punkt 19:45 Uhr standen wir am Globus, direkt am Nordkapp, und versuchten die Gastgeber des Treffens aus der Menge auszumachen. Gar nicht so einfach, aber wir haben es geschafft. Und hatten einen netten Plausch miteinander.

Sonntag, 30.07.2017

Kurz vor dem Ende der Welt.
Kurz vor dem Ende der Welt.

Heute klingelte der Wecker schon um 6 Uhr, denn wir hatten das Nordkapp-Frühstück gebucht, was um 6:30 Uhr begann. Wir waren pünktlich und konnten bei leckerem Buffett unsere Reise weiter nach Mehamn planen.
Auf dem Weg dorthin wechselte sich das Landschaftsbild auf dieser kurzen Strecke wie an keinem anderen Tag: Nebel, Regen graue Steilküste des Nordkapps, Birken und Nadel-Wälder in unterschiedlicher Ausprägung, dann die klassische Tundra, ein Canyon mit Fluß, der tief in das Sandgestein einschnitt, Wald, dann Geröll, wieder Küste mit Sandstrand, der aber mit Felsen überhäuft war, als ob ein Riese einen Sack Murmeln am Strand verteilt hätte, daneben ließen sich Steilwände erahnen…

Montag 31.07.2017

Flughafen Mehamn – heute sollte es dann endlich los gehen zum legendären Cache „Nothing but Stones“. Wir waren ein wenig aufgeregt!

Nach dem Frühstück haben wir dann alles Notwendige aus Dachbox, Kiste, Korb, Tagesrucksäcken und Kofferraum für die große Tour in unsere großen Rucksäcke umgepackt – was 2 Stunden in Anspruch nahm und sie nicht leichter machte.

Steine, Steine, Steine – nichts als endlos scheinende Steinfelder

So gingen wir bei Wolken und Wind bei um die 11 Grad frohen Mutes los und folgten dem roten „T“ nach Süden, durch Sumpf und die typische Fjelllandschaft mit vereinzeltem Geröll. Das klappte alles ganz gut bis zum ersten Abzweig gen Westen mit dem ersten Bach. Nicole traute sich nicht von Stein zu Stein und so haben wir einen Umgehung der Stelle gesucht, was uns zusätzliche Meter und Zeit beschert hat. Wir sind dann barfuß durch zwei Bäche, was viel besser klappte als erwartet.
Und dann kamen sie endlich: Die Steinfelder. Große Steine, kleine Steine, wackelnde Steine… Und wir mittendrin. Es ging von 100m bis 300m immer wieder bergauf und bergab. Nun fing es an, anstrengend zu werden.
Einzig die Aussicht war grandios. Wir dachten wir sind in einer anderen Welt gelandet. Auf dem Mars sieht es bestimmt genau so aus.

Erstes Lager

Wobei uns der Wind am meisten zu schaffen machte und wir schließlich nach 12,5 km und 10 Stunden Fußmarsch an einem See, wo schonmal jemand einen kleinen Windschutz gebaut hatte, Halt machten. Es war gerade genug Platz fürs Zelt vorhanden und wir haben es schnell aufgebaut und Essen gekocht. Dann ging es ab in die warmen Daunenschlafsäcke. Wir hatten eine unruhige Nacht, da der Wind ewig am Zelt zerrte, der Stoff flatterte und die Reißverschluß-Zipper klapperten.

Dienstag,01.08.2017

Wir haben abgebaut und sind mit dem kompletten Gepäck nochmal 3 km weiter gegangen, wo wir einen Zeltplatz mit wenig Wind gefunden haben. Also haben wir das Zelt erneut aufgebaut und alles, was nicht zwingend notwendig war, dort gelassen. Um 11:30 Uhr sind wir dann mit leichten Rucksäcken losmaschiert in Richtung Zielkoordinaten – wie angenehm leicht es sich jetzt ging. Neben dem reduzierten Gewicht gab es endlich auch weniger schwierige Passagen mit klassischen Pfaden, was uns nochmal schneller vorankommen ließ.

Steine, Geröll – und endlich das Ziel

Im Flußtal haben wir Rentiere auf dem Schneefeld gesehen und wieder mal einen Adler fotografiert. Nach der Gabelung zum Strandweg hatten wir einen Anstieg und weites Geröllfeld vor uns. Bei der weiten Sicht lassen sich Entfernungen einfach nicht einschätzen und so zieht sich der Weg. Und zieht sich, und zieht sich, und zieht sich, und zieht sich…

350 Meter noch bis zum Ziel.
Doch was ist das, der Abstieg!
Ungefähr 150 Höhenmeter mussten wir absteigen, auf großem und vor allem wackligen Geröll – das macht defintiv keinen Spaß. Bei jedem Schritt muss der nächste schon im Kopf klar sein. Sehr anstrengend.
Glücklich unten im Tal angekommen dann der verdiente Lohn: Der Cache „Nothing but Stones„.
Selbstverständlich haben wir unsere Logbucheinträge dokumentiert und unseren Erfolg mit Selfies festgehalten.

Nothing but Stones, der Cache

Aber uns stand ja noch der Rückweg bevor. Der Aufstieg brauchte dann nur 35 Minuten – wir hatten hier auch die Rucksäcke zurückgelassen. Es war aber deswegen nicht weniger anstrengend. Dann ging es den bekannten Weg zurück. Es lief besser als erwartet. Glücklich sind wir dann am Zelt angekommen, wo uns dann auch gleich die Mücken empfingen.

Mittwoch, 02.08.2017

Und schon waren die Mücken wieder da – oder immer noch. Dafür fehlte der Wind, und so ging es wieder auf die Geröllfelder 15,5km heim zum Auto am Flughafen. Ständiger Begleiter: allerlei Beißviehzeug überwiegend eben genau jene Mücken.

Nach den Steinen kommen die Mücken

Selten so umschwärmt…

Gottseidank hatten wir die Moskitoschleier dabei und über die Hüte gezogen. Blöd nur die eingeschränkte Sicht und das weniger Luft bekommen. Und so stellte sich immer die Frage: Schwitzen oder zerstochen werden….
Die Trittsicherheit wurde aber merklich besser und wir kamen gut voran. Aber Mücken und Wärme demoralisierten uns gehörig. So erfrischte uns zwar die kurze aber tiefe Bachdurchquerung in barfuß, aber dafür gab es zerstochen Beine.

Um 17 Uhr waren wir dann endlich, verschwitzt und zerstochen – aber glücklich, wieder am Auto. Wir waren fix und alle, haben aber noch den gut durchgeschüttelten Sekt genossen – und dann konnten wir nicht einschlafen…

Unser Zwischenfazit: ein toller Cache in einer einzigartigen Landschaft am nördlichsten Punkt von Kontinentaleuropa. Trotz der Anstrengung haben wir viele schöne Erinnerungen an diese drei Tage.

Donnerstag, 03.08.2017

Heute sind wir nach einer schlaflosen Nacht erst 8:20 Uhr aufgewacht. Irgendwie konnten wir beide vor Adrenalin nicht schlafen – obwohl wir doch so geschafft waren, und den Cache geschafft haben.

Silfar Canyon

Nach der Hochlandstrasse, wo die Gerölllandschaft in alpines Grün überging, haben wir bei einem hölzernen Künstlerklo gestoppt, welches auch als Vogelbeobachtungsstation dienen mag. Weiter ging es die knapp 220km zurück an den irisch anmutenden grünen Inseln, den Birkenwäldern, dem Silfar Canyon und dem Geröllstrand vorbei. Bei letzterem waren die steilen Wände immer noch in den Nebel gehüllt und nahmen uns so die Sicht auf den imposanten Anblick.
Wir sind weiter im Regen erst die E6 gen Süden und haben dann das Sami-Museum kurz vor Karasjok besucht.

Freitag, 04.08.2017

Heute ging es weiter bis Enontekiö, wo wir einen Stop einlegten, um den Cache Enontekiön kirkko zu heben und mal die Finnischen Geschäfte zu durchstöbern.
In Karesuando erreichten wir dann die Grenze zu Schweden. Gleich hinter dem Grenzfluß, an einer Kirche, die irgendwie an die Architektur der hannoverschen Marktkirche erinnerte, haben wir geparkt und den Grenzcache Eurosuando geloggt.

Gegenüber vom Parkplatz befand sich auch eine Touri-Info mit Souvenir-und Nähladen. Wir nutzen das freie WLAN bevor wir die letzten Kilometer zu „The Hexagon beyond the Iron Bridge“ fuhren.
Hier ist ein wirklich toller Rastplatz. Die Schwitzhütte würde ich aber eher als dunkle Grillhütte bezeichnen. Jedenfalls konnten wir Wäsche waschen und Baden gehen. Das kostete aber auch wieder viele Mückenstiche…

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