Das Nordkapp-Projekt: Von Messern, Steinen und einem Oldie

Eine eingeschlagene Scheibe an ihrem Wohnmobil zwingt die Abenteurer Nicole und Markus zu einer Entscheidung: Die Reise abbrechen oder doch noch, mit viel Provisorium, im Norden Europas unterwegs sein? Nach der eindrucksvollen Tour keine leichte Entscheidung. Zumal noch mehr als eine Woche Urlaub auf der Haben-Seite liegen würden.

Markus Gründel und Nicole Wunram sind mit ihrem „Wohnmobil“, einem Twingo, unterwegs zum Nordkap. Bei gps.de schreiben sie über ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Abenteuer, die sie auf der Tour erleben. Die bisherigen Berichte ihrer Reise: Mit dem Twingo nach ganz obenDas Abenteuer beginnt,Wieder im SpielCaches, Touristen und CachewartungTraumhafte Landschaft der Lofoten,Goldene Klohäuschen, Wale und Rentiere und Nothing but stones.

5.8.17 Samstag
Heute ging es auf 10:30 Uhr los. Die Mückensituation hatte sich nicht entspannt und so ergriffen wir die Flucht weiter die E45 gen Süden. Wir haben uns dann mit Freunden an einem schönen Rastplatz (natürlich mit  TB-Hotel) getroffen. Die beiden hatten noch Muffins und eingeweckten Kuchen dabei – sehr lecker! Nachdem wir ausgiebig geschnackt und Kaffee-Pause gemacht hatten trennten sich unsere Wege wieder. Die beiden wollten gen Norden nach Kiruna und wir ja Richtung Mora. So ging es für uns kurz vor „Ladenschluß“ zur Touri-Info Jokkmokk, um noch ein Webcam-Foto für den Cache zu machen. Anschließend ging es gerade mal 7 Kilometer weiter zum Polarkreis – zu einem Cafe und Sovenier-Shop.

Dann ging es weiter südwärts und es kamen ca. 15 Kilometer Langzeitbaustelle. Mal normale Straße und dann wieder Schotter mit Löchern und Bodenwellen – so schlimm, das sich selbst die Schweden an die Tempo 30 hielten. Gegen 20 Uhr sind wir dann an einen Rastplatz am Fluß angekommen, wo man sich den Abriß der alten Brücke gespart hat

6.8. Sonntag
Es war die erste Nacht wieder mit Dunkelheit. Die Landschaft hat hier harzlichen Charakter – der boreale Nadelwald, hier ist er nun! Gespickt mit Heide und immer wieder Seen, Wollgrasfelder und Sumpfland. Rentiere immer mal wieder neben und auf der für deutsche Verhältnisse echt schlechten Straße – Löcher, Bodenwellen, halbherziges Flickwerk. Aber irgendwie kommen alle damit zurecht. Zur Mittagsrast konnten wir auf einem der wenigen Rastplätze an einer Brücke einen schwedischen Geocacher beobachten – das war echt lustig – und ein schöner Cache. Später, an einer der vielen Parkbuchten, wo gerade einmal ein LKW Platz findet, haben wir noch einen hochdekorierten Tradi gehoben.

Wir haben heute 674 Kilometer, ich glaube das längste Stück, an einem Tag zurück gelegt und befinden uns kurz vor Sveg. Auf einem der nicht mehr ausgeschilderten Badplats. Der Platz liegt auf der Ostseite einer kleinen Brücke ganz versteckt. Als wir ankamen konnten wir nördlich über dem See eine Regenwolke aufziehen sehen, die alles in tolles farbintensives Licht getaucht hat, was wir hoffentlich gut auf die Karten unserer Kameras bannen konnten. Der Regen ist aber an uns vorüber gezogen, so genießen wir jetzt die Sicht auf den sonnenbeschienenen See.

7.8. Montag
In der Nacht waren es laut tempe in der Dachbox 6°C und es nebelte als wir erwachten. Als wir eine Stunde später raus zum Waschen und Frühstücken sind, konnten wir zusehen, wie sich der Nebel langsam hob und schließlich ganz verschwand um der Sonne Platz zu machen.
Kurz nach dem Start erreichten wir über die 84 Sveg und konnten am Braunen Bären parken und mit dem dort vorhandenen freien WLAN die Bilder und Text für den Blog hochladen.
Dann ging es weiter auf die E45 gen Mora, dem schwedischen Solingen und Heimat der Dalahäster. Natürlich haben wir uns es nach dem BloggerRundgang auf der #OutDoorFN bei Morakniv nicht nehmen lassen mal bei dem ConceptStore in der City  und anschließend in der Fabrik vorbei zu schauen.
Und wir hatten Glück: Obwohl gerade die großen Ferien in Schweden begonnen hatten trafen wir noch Mitarbeiter in der einzigen Fertigungsstätte der Moraknives an.
Und wir hatten noch mehr Glück: Thomas, der schon als Teenager hier gejobbt hatte und heute Produktmanager ist, hat sich gute zwei Stunden Zeit genommen und uns durch die Geschichte der Moraknives und den Fertigungsprozess vom angelieferten Stahl über die Klinge bis hin zum kompletten Messer zu führen! Wow! Messer und Klingen gibt es ja schon seit Urzeiten. Was aber in einem Morakniv alles an HighTech drin steckt, hätten wir nie erwartet! So wird jedes der täglich 20.000 gefertigten Messer an einigen Stellen im Produktionsprozess einzeln angefasst, die Schärfe der Klinge an verschiedenen Stellen gemessen, um eine gleichbleibend hohe Qualität zu gewährleisten, und, und, und…
Sogar an Stahl und Messerklingen wird noch weiterhin geforscht. So gibt es im Sektor der Fleischverarbeitung (die Meisterköche unter Euch werden jetzt sicher lächeln, da sie täglich mit solchen Messern hantieren) Filetiermesser, deren Klinge um 90° gebogen werden kann ohne irgendwelchen Schaden zu nehmen.
Auch waren wir erstaunt, was alles für das Recycling getan wird – klar fällt bei einer Derart großen Stückzahl nicht nur Verschnitt von der Stanzung der Klingen an, auch Metallstaub durch den Schleifvorgang und Chrom durch die Veredelung fallen in nennenswerten Mengen an, die alle mit großem Aufwand recycelt werden.
Wir sind nach wie vor sehr erstaunt was doch alles bei der Herstellung solch „einfacher“ Messer alles berücksichtigt wird und sind nun stolzer Besitzer von mehreren Moraknives.

Nach unser Privatführung sind wir dann weiter zum Werksverkauf , ca. 10km entfernt und haben noch ein paar Schnäppchen gemacht.

8.8. Dienstag
Heute morgen konnten wir Schwimmen gehen, sehr erfrischend! Und das obwohl die Nacht die obligatorisch 12°C hatte. Wir gewöhnen uns wohl an die Kälte.
Dann ging es auf die 70 Richtung Uppsala um Ulli zu besuchen. So kamen wir zügig nach Sågån, ein kleiner Ort, der durch 5 Caches und protzige Outlet-Schilder auffiel.

9.8. Mittwoch
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, so könnte man sagen. Aber der Reihe nach:
Gestern haben wir ja früh das rege Treiben an dem Badplats bestaunt und waren gegen 21:30 Uhr endlich allein. Die Temperaturen waren zurückgegangen und wir somit nicht Schwimmen, das haben wir auf den Morgen vertagt.

Kurz vor Mitternacht kam ein Wagen, erst knapp neben uns, ist dann aber zur Einfahrt umgeparkt.
Ich schaue noch schlaftrunken und sehe vier Leute aussteigen und wundere mich.
Doch plötzlich eigenartige Geräusche, als wenn Tannenzapfen aufs Auto fallen oder Kiesel gegen das Fenster geworfen werden.
Nicole war nun auch wach.

Doch ehe wir die Geräusche so recht einordnen können – Krach. Splittern. Die hintere Fahrerscheibe ist zersprungen!
Wir waren nun hellwach!
Was tun? Das sind ja vier Leute. Und wer Steine, etwas anderes kann es nicht gewesen sein, auf anderer Leute Autos wirft ist ja auch zu anderem fähig.

Wir fuhren GPS und Handys hoch, die großen Rucksäcke aus den Fußräumen vorne gezerrt, meine Wanderschuhe mit einem Griff reingeholt, Sitze hochgeklappt und Wagen angelassen – Flucht, nur erstmal weg hier!
Nicole fährt und ich notiere mir noch das Kennzeichen – von den Leuten keine Spur, wohl runter zum See…? Ich suche im GPS die nächste Polizei, ist kaum 2km entfernt, aber wir erwischen in der Aufregung eine falsch Auffahrt und landen erstmal auf der Bahn. Der Wind drückt noch mehr die Scheibe in den Wagen, hinten alles voller Splitter und ein Riesenloch klafft in der Scheibe.

Dann wieder runter von der Bahn und auf den großen Parkplatz vor der Polizei. Hier stellt sich nun raus, dass die natürlich nicht 24 Stunden besetzt ist. Warum auch – die Supermärkte können das doch auch? Also die 112 gewählt und den Vorfall geschildert. Keine fünf Minuten später kam ein dunkler Volvo mit voller Beleuchtung auf den Parkplatz gefahren – ich raus und tatsächlich, zwei Polizisten steigen aus.

Ich schildere den Vorfall geduldig in gebrochem Englisch und die hören sich alles an, stellen Fragen und inzwischen ist eine Stunde vergangen. Wir sind gerade mal 3 bis 4 km vom Tatort entfernt – dank GPS können wir ja Zeit und Ort sehr genau festhalten. Aber die beiden machen nicht den Eindruck, die Täter fassen zu wollen. Worauf hin ich nachhake und ernüchternde Infos bekomme:
Klar werden Fahrzeughalter befragt werden. Und sicher werden die die Tat nicht zugeben. Und es gibt ja keine Fingerabdrücke oder ähnliches und aufgrund von Entfernung und Dunkelheit können wir ja keinen identifizieren. Das wird also alles im Sande verlaufen und lediglich ein Fall für die Versicherung. So eine Sch…!

An der nächsten Tanke fragen wir dann die Mitarbeiterin höflich, ob wir dort weilen können um den Schaden zu beseitigen. Die Scherben des Sicherheitsglases verteilen sich über den ganzen hinteren Raum inkl. Kofferraum.
Und dann fragt die Mitarbeiterin wer wir denn seien – sie ist auch Geocacherin.
Ja, und so kommen wir ins Gespräch mit Miss Li, die schon mehrfach einen Preis bei der Schwedischen Variante „Cache des Jahres “ gewonnen hat – Zufälle gibts!
Als es dann schließlich dämmert ist der Wagen gesaugt mit der Klarsichtfolie und Panzertape notdürftig wieder hergerichtet .

Wir waren todmüde – aber zu aufgekratzt, um eine ordentliche Entscheidung über die Weiterreise zu treffen und so beschließen wir uns 50 Kilometer Richtung Stockholm aufzumachen zu dem Campingplatz der nur 1km von GC4D, dem ältesten aktiven Cache Schwedens, entfernt ist, zu fahren.
Als wir dort eintreffen ist es erst halb sechs und wir fahren zur Reithalle 170m vom Cache entfernt, da es bereits taghell ist, steige ich kurz auf und gehe den gut ausgebauten Weg Richtung Cache und steige die letzten Meter den Hügel über Steine empor – na wenigstens ein Highlight!
Danach fuhren wir zum Campingplatz und schliefen erst einmal. Gegen 10:00 sind wir dann aufgewacht und haben Kaffee, der noch dringender notwendig war als sonst, getrunken und gefrühstückt.

Nun wissen wir ja, dass der Twingo in Skandinavien nie verkauft wurde, also Ersatzteile weit entfernt von vorrätig sind und über Frankreich herbeigeschafft werden müssen. Eine Woche dauert das gewiß. Und das Wohnmobil in diesem Zustand allein irgendwo stehen lassen … auch nicht unser Ding.

Also mal die Entfernung heim gecheckt: 935km Fahrstrecke.
Da nun noch 1,5 Wochen Urlaub Rest sind, wir alle Milestones im hohen Norden erreicht haben und nicht untätig und unbefriedigt auf einem Campingplatz auf eine Ersatzscheibe warten wollen, entscheiden wir uns für einen geordneten Rückzug.

10.8. Donnerstag
Fahrtag – klassisch um 10:30 Uhr am Platz ausgecheckt und dann die 10km zum Einkauf Biltema, Dollastore und ICA gemacht.

Die Landschaft wurde immer mehr zu Agraland mit (blühender) Heide und dann wieder große Nadel- und Birkenwälder – die Bäume nun auch in Höhen, wie wir sie aus Deuschland kennen, nichts mehr von Windflüchtern oder Krüppelgehölz.

11.8. Freitag
Wir werden pünktlich um 6:00 Uhr durch die lauten Ansagen und Züge am Bahnhof geweckt. Gut, wir wollten ja auch früh los. Frühstück gemacht, Kaffee gekocht und um 8:00 Uhr auf die Straße.
Bei Farø legen wir eine kleine Rast ein und finden neben den beiden Caches einen schönen Stellplatz, den wir uns für zukünftige Reisen gen Norden merken wollen.

Später noch ein erneuter Stopp, um wenigstens noch einmal dänisches Lakritzeis gegessen zu haben.

Nach der Überfahrt gen Puttgarden empfängt uns Deutschland mit Regen und Stau… glücklicherweise die meiste Zeit auf der Gegenfahrspur. Nur der Regen bleibt bis daheim, das wir genau 18:45 Uhr erreichen.
Die improvisierte Scheibe hat so die 1000km gut überstanden, nach dem Ausräumen geht es Samstag dann in die Werkstatt und weiter in den Harz das ganze gesammelte Bildmaterial ordnen.

An dieser Stelle möchten wir Danke sagen für die Unterstützung in Form von Tipps zu Unterkünften und Ausflugszielen, Material sowie Webspace und PR. Weiterhin gilt unser Dank allen Lesern, Followern und Likern die uns ins dieser Zeit begleitet haben!
Wer Interesse an dem kompletten Reisebericht hat, darf sich bald über die Bücher zu unserem #NordkappProjekt freuen.

Unser Fazit:
Auf die Frage: „Würdet ihr diese Reise nochmal so machen?“ gibt es von uns ein ganz klares „JA!“ – Nur würden wir uns noch mehr Zeit dafür nehmen.
Wir haben viel erlebt, tolle Landschaften gesehen, viele nette Menschen getroffen, neue Ideen gesammelt (von denen ihr demnächst einige auf unseren Blogs finden werdet), weitere Lebenserfahrungen gemacht, die Comfortzone verlassen und auf kleinem Raum gelebt ohne einen Lagerkoller zu bekommen. Und wieder zu Hause ist es schön, sich an den selbstverständlichen Dingen des Alltages wie zum Beispiel laufend warmes Wasser zu erfreuen. #BeatYesterday.

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