Andere Länder, andere Gesten!

Auf Reisen lassen uns unsere Sprachkenntnisse manchmal im Stich. Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als uns mithilfe von Gesten verständlich zu machen. Das sieht meist nicht nur komisch aus, sondern kann auch eine heikle Angelegenheit sein. Denn das, was wir ausdrücken wollen, kann stark von dem abweichen, was unser Gegenüber versteht. Hier sind einige Beispiele, damit Du im nächsten Urlaub Fettnäpfchen vermeidest.

Zu allererst solltest Du darauf achten, dass Du zu Deinem Gesprächspartner den nötigen Abstand hältst. Während der Abstand zweier Gesprächspartner voneinander in Nordeuropa circa einen halben Meter beträgt, wahrt man in den USA beim Sprechen eine Distanz von 60 bis 80 Zentimetern. Wenn eine der beiden Personen einen Schritt vortritt, weicht der Gesprächspartner automatisch einen Schritt zurück. In Lateinamerika treten die Gesprächspartner hingegen sehr nah aneinander heran – fast auf Tuchfühlung.

Auch "Daumen hoch" hat unterschiedliche Bedeutungen
„Daumen hoch“ – nicht immer positiv!

Auch Gesten können für einige Verwirrung sorgen. Während wir mit dem nach oben gestreckte Daumen ausdrücken, dass etwas super ist, oder uns der Daumen zum Autoanhalten dient, sagt diese Geste in Australien und Nigeria das Gegenteil aus. Hier ist sie im Sinne von „Verschwinde!“ zu verstehen, wobei der Daumen meistens etwas zur Seite bewegt wird. Als Anhalter eine Mitfahrgelegenheit zu finden könnte sich damit etwas schwieriger gestalten…

Vorsichtig sollte man auch mit dem Victory-Zeichen sein. Bekanntlich werden hier Zeige- und Mittelfinger gespreizt. Wenn jedoch der Handrücken zum Gegenüber zeigt, könnte das mit dem berüchtigten „Stinkefinger“ gleichgesetzt werden – zumindest wenn Dein Gegenüber aus England stammt. Ähnliches gilt für die Geste, bei der Zeigefinger und Daumen bei ausgestreckten Fingern zum Kreis geformt werden. In großen Teilen Europas und den USA heißt das „alles in Ordnung“. Hingegen drücken Franzosen und Belgier damit aus, dass sie etwas als „wertlos“ oder „nutzlos“ empfinden. Ganz vermeiden sollte man dieses Handzeichen in Russland, vielen Teilen Südeuropas, Südamerikas und im Nahen Osten. Die üble Beschimpfung, die die Geste in diesen Ländern bedeutet, wird an dieser Stelle lieber nicht näher erläutert… Positiver wird die „Null“-Geste zumindest in Japan gesehen. Hier dient sie dem Hinweis, dass es nun möglich ist, über Geld zu sprechen.

Auch „ja“ und „nein“ werden in den verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich ausgedrückt. Um etwas zu bestätigen nicken die Menschen in den meisten Ländern der Welt mit dem Kopf. In Indien, Pakistan und Bulgarien wiegt man stattdessen den Kopf hin und her, um „ja“ zu sagen. In Äthiopien wirft man den Kopf dafür zurück – was in arabischen Ländern, in der Türkei, in Griechenland und in Süditalien genau das Gegenteil bedeutet, nämlich „nein“. Um in Japan eine Frage zu verneinen, schüttelt man wiederum nicht mit dem Kopf, sondern fächert mit der Hand vor dem Gesicht.

Verkehrte Welt! Wer sich dabei nur verwundert mit dem Finger an die Stirn tippt, würde in Nordamerika wohl eine Überraschung erleben: Zeigt man hier jemandem den Vogel, wird das als Kompliment aufgefasst: „Du bist sehr klug“ heißt das Handzeichen hier.

Es lohnt sich also durchaus, im nächsten Urlaub mal einen Blick auf die Gesten der Einheimischen zu werfen – und auf die jeweilige Reaktion des Gegenübers. Denn nicht nur Sprache, sondern auch ideenreiche Gesten und Handzeichen helfen uns dabei, andere Kulturen besser zu verstehen. In diesem Sinne, viel Spaß im nächsten Urlaub!

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