Geschenkbänder für Fahrraddiebe

Der Albtraum aller leidenschaftlichen Radler: Man kommt nach erholsamen Stunden im Freibad oder einem gemütlichen Kneipenbesuch zurück zum Fahrradständer und – der geliebte Drahtesel ist weg! Wer Glück im Unglück hat, dem hat der dreiste Dieb statt einem aufgebrochenen Schloss vielleicht den Rahmen oder ein Rad stehen gelassen.
Doch auf dem Heimweg ist man trotzdem auf Bus oder Taxi angewiesen und das Ärgernis ist groß. 
Hilft also nur das Motto: „Laufen statt Radeln“ vor dem Radverlust? Oder gibt es doch Alternativen, die einem ruhige Stunden im Freibad bescheren?

Bügelschloss, Faltschloss, Kettenschloss, Rahmenschloss, Spiralschloss… Die Auswahl scheint schier unendlich. Doch welches Schloss hält sein Versprechen?
Wer sein Fahrrad nicht mehr braucht, der sollte es mit einem dünnen Spiralschloss aus dem Baumarkt sichern. Kommt ungefähr auf dasselbe raus, als würde  man ein großes blinkendes Schild mit „Nimm mich mit“ am Lenker befestigen. Nicht umsonst werden die Spiralkabel mitunter auch „Geschenkbänder für Diebe“ genannt. Ein unauffälliges „Knipps“ mit einem Mini-Hebelschneider (der bequem in jede Hosentasche passt) und selbst der unbegabteste Dieb hat in weniger als 15 Sekunden einen neuen fahrbaren Untersatz. Nicht empfehlenswert, falls Sie an Ihrem Drahtesel hängen…

Beim heute nicht mehr sehr verbreiteten Rahmenschloss verhindert ein Riegel zwischen den Speichen  das Drehen des Rades. Allerdings sehr uneffektiv gegen Diebstahl, da das Fahrrad einfach weggetragen werden kann. Zu überlegen wäre diese Art von Schlössern bei Elektrofahrrädern, da diese mit ca. 30 kg meist zu schwer zum kurz mal Wegtragen sind.

Mehr Geld kann man schon bei Kettenschlössern ausgeben, die aus einer Metallkette mit Kunststoff-ummantelung bestehen. Deren Glieder sind außen gehärtet, um vor dem Durchtrennen mit einem Bolzenschneider zu schützen, der Kern ist allerdings weicher, damit das Material auch bei Einsatz eines Kältesprays nicht spröde wird und bricht. Aber Achtung, nicht nur unter den Kettenschlössern gibt es Billigprodukte, die gar nicht halten können, was sie versprechen – Qualität hat ihren Preis! Kettenschlösser sind zwar sehr flexibel in der Handhabung, allerdings auch schwer und nicht so einfach am Rahmen zu befestigen wie Falt- oder Bügelschlösser.

Viele Experten sind sich einig: Das Bügelschloss bietet den besten Schutz, ähnlich einem großen Vorhängeschloss. Das Metall kann bis zu 16 Millimeter dick sein und hat ebenfalls die Mischung aus harter Schale, aber weichem Kern. Doch – vielleicht dem einen oder anderen schon mal passiert – wenn man das Rad beispielsweise an einer Straßenlaterne anschließen möchte, verzweifelt man sehr schnell am zu geringen Umfang des Bügels und der mangelnden Flexibilität.

Eine sehr gute Alternative und ziemlich neu im Handel sind da die sogenannten Faltschlösser, eine Mischung aus Ketten- und Bügelschloss. Ähnlich einem Metermaß aus Stahl sind die Schlösser sehr kompakt zu transportieren und verstauen. Ausgeklappt bietet das Faltschloss aber viel mehr Flexibilität als beispielsweise ein Bügelschloss – bei ähnlichen Festigkeitswerten.

Doch wo der Bolzenschneider scheitert, reicht manchmal auch schon ein einfacher Kugelschreiber:

Picking
Picking

Vielleicht erinnert ihr euch noch an einen Fall vor einigen Jahren, als sich ein Video im Internet rasant verbreitete. Inhalt: Wie man ein hochwertiges Bügelschloss innerhalb weniger Sekunden mittels eines Kulis öffnet. Der betroffene Hersteller musste Tausende von Schlössern zurückrufen und erlitt sowohl einen hohen Sach- als auch Imageschaden.

Professionell ausgeführt heißt diese Technik „Picking“. Feinmechaniker öffnen simple Schließtechniken in Sekunden ohne Gewalt, allein mit Fingerspitzengefühl und sogenanntem „Pickingwerkzeug“.

Zusammenfassend gesagt: Es gibt einfach keinen 100%igen Schutz. Wo ein Wille des Diebes, da auch ein Weg. Wie schützt man sich also für den Fall der Fälle? Die polizeiliche Aufklärungsquote der letzten Jahre spricht mit um die 10% nicht gerade für sich. Doch wie wäre es, immer den aktuellen Standort seines Fahrrads abrufen zu können? Einfach nur das Smartphone zücken und das Rad leuchtet als roter Punkt auf einer Karte auf! Klingt zu schön um wahr zu sein? Mit einem GPS-Ortungsgerät unter dem Sattel angebracht, bleibt das nicht nur ein schöner Traum. Beispielsweise mit dem Garmin GTU 10 könnt ihr sogar Geofence-Bereiche (virtuelle Grenzen) einrichten und bekommen eine Email- oder SMS-Nachricht, sobald das Fahrrad diesen Bereich verlässt. Dass das funktioniert, hat auch Sat.1 schon bewiesen. In der Reportage „Vorsicht, Fahrrad-Klau“ stellten die Reporter demonstrativ ein hochwertiges Rad mit verstecktem GPS-Gerät an öffentlichen Plätzen ab und verfolgten die Langfinger – dank punktgenauer Positionsdaten des Fahrrads kein Problem.

Und so kann auch im Fall der Fälle das geliebte Zweirad schnell geortet und aufgespürt werden. Was dann bei dem dreisten Langfinger noch zurückbleiben wird, ist wohl nur die grenzenlose Verwunderung und Fassungslosigkeit, wie man ihm auf die Schliche gekommen ist. Doch pssst – das bleibt unser Geheimnis 🙂

1 Kommentar zu “Geschenkbänder für Fahrraddiebe

  1. Das ist ein schoner Artikel. Ich finde die Idee nicht schlecht, aber auch hier kann man nicht von Sicherheit sprechen. Die GPS-Einheit kann man erkennen und einfsch entfernen. Wiecder Artikel selber sagt, einen wirklichen Schutz gibt es nicht, aber es ist eine nicht so bekannte schöne technische Spielerei, die allerdings Nebenkosten z.B. für die gesendeten Daten wie SMS oder Email. Gut ist sicher eine Kombination aus beiden Techniken.

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